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Otto Dix Briefe

Das Team der Gera Chronik präsentieret Ihnen erstmalig im Internet die Briefe und Dokumente von und über Otto Dix in Bild und Transkription.

Wir bedanken uns vielmals bei dem Team des Geraer Stadtarchivs, besonders bei Herr Klaus Brodale, für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

  • Otto Dix vor dem Ersten Weltkrieg 1911 - 1912

    • 1911 Brief an Hans Bretschneider

      Ein vertraulicher Briefwechsel zwischen dem Kunstgewerbeschüler in Dresden mit Hans Btetschneider, seinem Jugendfreund in Gera, vermittelte ab den Jahren etwa um 1911-1912 einen lebendigen Eindruck vom jungen Otto Dix und dessen Start ins Künstlerleben.

      Hier einer der "undatierten" Briefe des späteren Geraer Malergenies.


      Lieber Hans!

      Aus Deinem Brief sehe ich richtig das Kind unserer Zeit. Auch ich bin ein solches, mit meiner Anschauung über Kunst. Was ist individuell? Das Hinzutun des Ichs in die Natur. Unsere ganze Zeit ist ichsüchtig. Vom niedrigsten Schüler bis zum größten Meister. Und Du hältst mein Streben nach Natur, nach reiner Natur ohne heroischen Balg, für Stil? Ist es nicht tausendmal edler, größer sich bemeistern können und nur die Natur zu sehen als überall das „Ich“ mit hinein bringen? (ich meine nur die Materie der Natur sehen) Selbstverständlich wird aus jeder Naturstudie, die ich mache, ein persönliches Erlebnis. Aber man soll eben nicht so viel erleben, sondern lieber nach der Art der Dillettanten die Natur abschreiben. Du wirst das verkehrt auffassen, weil Du selbst nicht bildender Künstler bist. Aber ich meine, zuerst muß man mal ein festes Fundament haben, ehe man sein Haus bauen kann. – Über unsere Lebenskunst schreibst Du, „wir wären Popanze“. Sind wirs heute nicht mehr? Es mag der Fall sein, das in meinen Briefen immer eine Anschauung die andere auffrißt. Mir ist es überhaupt jetzt furchtbar wüst im Kopf. Du scheinst an der Einbildung zu leiden, daß Deine Anschauungen geläutert sind und daß Du schon Mann bist. Dann wirfst Du mir vor, daß ich mich vor manchen Wahrheiten ekele. Das ist durchaus nicht der Fall. Im Gegenteil, ich suche mir jetzt überall wehzutun und suche gerade die unangenehmen Wahrheiten. – Ich pflege jetzt meinen Körper mehr als sonst, weil ich in einem gesunden Körper den Träger eines gesunden Wissens sehe. Ich bin Vegetarier, wenn auch noch nicht ganz rein. Auch genieße ich kein Alkohol. Nur das Rauchen muß ich mir noch abgewöhnen. Sport fehlt mir, recht gefährlicher, aber gesunder Sport. Erst kommt der Körper, dann der Geist. Erst soll man den Körper nähren, dann den Geist. Was waren doch die Spartaner für ein prachtvolles Geschlecht! Was ist unsere Kunst gegen die griechische. Krankhaft geistreich (auch die meinige). – Hälst Du es für Sünde, wenn man die Ansichten großer Männer studiert? Oder wenn man wissenschaftlich sein möchte? Nietzsche sagt zu den Künstlern „Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?“ – Lieber Hans! Du schreibst, ich soll Dich besuchen, aber ich habe leider gar keine Zeit. Und wenn es nur nicht so teuer wäre! Deine Krankheit hat mich in Erstaunen gesetzt und in Schrecken zugleich. Wie hast Du Dir daß denn geholt? Ich rate Dir auch Vegetarier und Antialkoholiker zu werden, wenn Du wieder ganz gesunden willst. Denn jedes Gift, was Du Deinem Körper durch Fleisch und geistige Getränke zuführst, wird die Krankheit wieder hervorbrechen lassen. – Schreibertechnik habe ich nicht, Du mußt Dir meine Briefe selber technisch konstruieren. Schreibe bald wieder.

      Baldige Genesung wünscht Dir von Herzen Dein Otto.


      Quelle: www.otto-dix.de


    • 1912 Brief an den Jugendfreund in Gera

      Der bekannte Geraer Maler und Ehrenbürger Otto Dix (1891-1969) pflegte während seines Kunststudiums in Dresden einen regen und recht vertraulichen Briefkontakt mit einem Geraer Freund. Hans Bretschneider hieß der Mann, welcher die später leider so gut wie undatierten Briefe erhalten hatte.

      Hier ein weiterer Brief.


      Mon cher ami!

      Dein letzter Brief machte einen recht schlappen Eindruck. Du scheinst immer sentimentaler zu werden. Das macht wohl Deine Liebe, was? Haha. Du hast wohl sogenannten „Liebeskummer“. Schäm Dich was. Wenn Du nicht entsagen lernst, lernst Du auch nicht kämpfen. Du beneidest mich hier in Dresden. Denkst Du vielleicht, ich esse Zuckererbsen? Ich muß kämpfen, hungern und entsagen. Und gerade das alles macht mich fest und widerstandsfähig. Du denkst vielleicht, ich habe guten Stand bei den Herren Professoren. Einige Urteile über mich. Ornament-Prof. Hfr. (Hofrat) Rade: Ja Dix malen können Sie, da kann ich Ihnen nischt mehr lernen. Sie sind der zweite Slevogt oder der zweite Rembrandt, aber – zeichnen können Sie nich. Blumen-Prof. Mebert: Es liegt viel Persönliches in Ihrer Arbeit, die Farbstimmung ist gut, aber besser zeichnen, besser zeichnen. Figur-Prof. Türk: Es hat Rasse, aber schmieren Sie bitte nicht so. Das heißt alles mit anderen Worten „Seien Sie brav und nicht außergewöhnlich, Sie sind jedoch nich Handwerker und da müssen Sie den Leuten gefallen!“ Aber daß mal einer etwas Höheres erreichen will, daran denkt niemand. Aber ich muß es. Unser großer Meister Böklin war nicht brauchbar (nach Ansicht der Prof. zurecht) für die Akademie. Und Menzel mußte in der Gipsklasse der A. d. b. K. (Akademie der bildenden Künste) Valet sagen, „weil er nicht zeichnen konnte“. So ein Unsinn!!! Zeichnen konnten diese beiden Meister wie vielleicht kein zweiter , aber – brav waren sie nicht. Das ist der Kasus. Nur alles unter einer Schablone Ihr Handwerksgesellen!!! Das ist die Parole. Aber merkst Du, daß ich deswegen klage. Nee das macht mich nur noch fester. Also sei ein Mann, ein Künstler und kein sentimentaler Durchschnittsmensch. Du wirst nämlich immer süßer Gruß Otto Dix


      Quelle: www.otto-dix.de


    • 04.1912 Vertraulicher Briefwechsel mit Bretschneider

      Das vorliegende Dokument muss leider als undatiert betrachtet werden, könnte aber von Ostern 1912 stammen. Ein weiterer vertraulicher Briefwechsel zwischen dem Kunstgewerbeschüler Otto Dix in Dresden mit seinem Jugendfreund Hans Bretschneider in Gera vermittelt von 1911 bis Mitte 1912 einen lebendigen Eindruck vom jungen Dix und dessen Start ins Künstlerleben. Otto Dix (1891-1969) war zu diesem Zeitpunkt noch keine 20 Jahre alt.


      Lieber Hans!

      Deinen Brief habe ich erhalten. Ich sehe aus diesem, daß Du nicht nur körperlich krank, sondern auch geistig nicht ganz gesund bist. Hat denn der Vegetarismus mit Schwof und Geschlechtsliebe etwas gemein? Oder denkst Du die Vegetarier sind Pfaffen, die den Menschen jedes menschliche Bedürfnis absprechen wollen? Denkst Du etwa das sind Leute, die ihren Körper durch alle möglichen Entsagungen kasteien? Denkst Du, daß deine resignierende Anschauung richtig ist, die nur aus Entsagenmüssen entspringt, nicht aus Überwindung? Ihr Pessimisten seid nicht besser als Pfaffen, kein bischen besser. Du behauptest, daß „in unserem Alter jeder Geschlechtsverkehr schädlich ist“. Das ist Quatsch! – Weiter, zu Deinen „Schicksalsschlägen“. Meinst Du, das „Stellung wechseln“ auch ein Schicksalsschlag ist? – Schreibt nur alles dem Schicksal zu (die Christen nennen es Gott), diesem unbekannten Etwas, damit ihr nicht selbst die Verantwortung tragen müßt! Deine Krankheit ist noch lange kein Grund am Leben zu verzweifeln und sich vom Schicksal umwerfen zu lassen. – Göttlichen Humor traust Du Dir noch zu? Ich merke garnischt davon. Wie reimt sich denn der göttliche Humor mit der „Beleidigung Deiner Mitkranken“ etc. zusammen? Meinst Du nicht, daß ein göttlicher Humor auch darüber siegt? – Doch nun mal Schluß mit den Gehässigkeiten. Mein Vegetarismus ist keine aufgezwungene Sache, wo ich mich wie mancher erst „überwinden“ müßte und heiß kämpfen, nein, mein Körper fügt sich willig dem Geist, ohne zu revoltieren. Das ist das erste Anzeichen des gesunden Vegetarismus. Nimm mirs nichts übel Hans! Aber Du bist noch furchtbar pedantisch. Du möchtest in die Großstadt, aber das Geld für 1 (einen) Monat Unterhalt fehlt Dir. – Wozu gibt’s denn Kredit? Den willst Du also Deinen alten Herrschaften zur Last fallen und die Gerschen sollen dann sagen „seht er ist auch wieder da bei Muttern“. – – Es wird so sacht dämmrig in meiner Bude und die Nacht kriecht aus den Ecken hervor. Ich muß nachher fortsetzen –. So jetzt habe ich Abendbrot gegessen, die Lunge angebrannt, jetzt geht’s weiter – –. Ich wünscht blos, Du kämst mal in eine solche Sphäre, in der ich jetzt bin, damit Du mal andere Gedanken kriegst. Da herrscht eine Freude, Fröhlichkeit, Leichtsinn. Geldsorgen, Nahrungssorgen sind den Bohemens Kleinigkeiten, sie sind eben darüber hinaus, das immer das anständige Leben (wie der Philister sagt), d. h. immer genug zu essen, zu trincken haben, allein glücklich macht. Du wirst behaupten, „solche Menschen muß die Nation miternähren, sie sind der Krebsschaden der Nation“. Ich behaupte das Gegenteil. Sie sind die Träger der Kultur. Sie behaupten in all dem Hasten und Jagen des modernen Lebens die alte Freude, Kraft und Unbeugsamkeit. Das ist mehr wert als die fetten Pfründe eines guten Gewissens und vollen Magens. Sie sind Menschen mit eigner Anschauung, bei ihnen kann man nicht sagen wie Rideamus „Wer nichts ist und auch nichts hat, wird gewöhnlich Sozialdemokrat“ – – Du gehst also immer noch mit dem „Goscherl“? Mensch hast Du ne Ausdauer. Das Du Dich schon so frühzeitig bindest, hat gar keinen Zweck. Du wirst doch dabei zum Stubenhocker. Oder meinst Du, daß Du Dich trotzdem noch ausleben kannst? Vom Philisterstandpunkt aus gesehen mußt Du auch „solid“ sein, wenn wie [sic] es Deine Braut ist. Hast Du wirklich das „Weib“ schon gefunden? – Na, ich will Dich aber nicht etwa aufhetzen. Ich wünsch Dir viel Glück mit ihr. Hoffentlich bist Du später nicht enttäuscht. – Heute war […] Aufnahme, morgen beginnt die Schule; ich muß in diesem Semester sehr viel arbeiten und lernen. Ich habe das Faulenzen während der Ferien dicke. Ich habe an die „Meppendorfer Blätter“ eine Einsendung gemacht, die hat man mir höflich retourniert. Weist Du nicht mal einen recht blöden, naiven Witz, wo ich ev. die Illustration dazu machen kann? Aber gesucht darf er nicht sein.

      Schreib mir recht bald wieder dein Otto.


      Quelle: www.otto-dix.de


  • Otto Dix nach dem Ersten Weltkrieg 1918

    • 04.01.1918 Brief an den Geraer Stadtrat

      Otto Dix wandte sich an diesem Januartag an den Geraer Stadtrat mit der Bitte, ihm eine Ausstellung seiner Kriegsbilder und Zeichnungen im Städtischen Museum zu ermöglichen. Da Otto Dix (1891-1969) zu diesem Zeitpunkt noch nicht so bekannt war, später zählte er zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, musste er noch „höflich ersuchen“ seine Bilder ausstellen zu dürfen. Jahrzehnte danach fragte man dann höflich bei ihm nach. Da die Handschrift des großen Geraer Malers in der Neuzeit nur schwer zu entziffern ist, liegt dem Artikel ein Transskript des Briefes bei. Dix bekam eine Antwort aus sein Schreiben, wo er erfuhr, dass laut Beschluss des Gesamtstadtrates festgelegt worden war, dass im Museum ein geeigneter Raum für 10 Tage bereitgestellt werde, er aber nicht damit rechnen konnte, das dort eine Heizung, Beleuchtung oder Bedienung vorhanden sei. Otto Dix reagierte darauf nicht mehr, und so wurde aus der geplanten Ausstellung am Ende nichts.


                                                                  Im Felde 4.1. 19(18)

       

      Euer Hochwohlgeboren

       

      Ich gestatte mir hierdurch die höfliche Anfrage ob es mir möglich ist Ende Februar – Anfang März d.J. in den Räumen des Städt. Museums zu Gera eine Kollektion Kriegsbilder oder Zeichnungen 10-15 Stück auszustellen. Ich bin geborener Untermhäuser und habe an der Kgl. Kunstgew. Schule in Dresden studiert. Ich habe schon öfter in Dresden Galerie Arnold und Kunstverein ausgestellt und bin von der Presse stets mit großer Anerkennung besprochen worden. Meine Arbeiten sind expressionistischer Art und die jüngste Richtung ist vielleicht für die Geraer Kunstkennerschaft neu interessant.

      Ich erhoffe bald Ihre günstige

      Antwort

      Otto Dix

      Utffz. Dix 1.M.G.K.R.I.R.102


      Quelle: Stadtarchiv Gera Bd. 3. III B 6 1686, Bl. 171-172


  • Otto Dix an den Stadtverwaltungsdirektor 1927

    • 05.07.1927 Antwort an den Stadtverwaltungsdirektor

      Zwischen dem Geraer Maler Otto Dix und seiner Heimatstadt in der er nicht mehr lebte, gab es oftmals einen regen Briefverkehr. Hier antwortete er dem Stadtverwaltungsdirektor des Stadtvorstandes in Gera auf die Anfrage wegen Beteiligung an der Herbstausstellung des Künstlerbundes Thüringen und der Zusicherung des Ankaufs von Bildern durch die Stadt Gera. Der leider undatierte Brief ging am 5. Juli 1927 in Gera ein.


                                                                                                    Dresden

       

      Sehr geehrter Herr Stadtverwaltungsdirektor

       

      Im Besitze Ihr Schreiben vom 27. Juni 27, teile ich Ihnen mit daß ich breit bin unter der von Ihnen erwähnten Bedingung eine Kollektion meiner Bilder für die Herbstausstellung zu schicken. Ich denke an ungefähr 10 Bilder und 10 Aquarelle.

      Mit vorzüglicher Hochachtung

      Ihr ergebener Otto Dix

      Akademie d(er) bil(denden) Künste

                  Dresden


      Quelle: Stadtarchiv Gera Bd. 1. III B 6 1659, Bl. 92


    • 15.09.1927 Zum Ankauf von Dix-Bildern

      Der Geraer Maler Otto Dix hatte in einem Brief an den Geraer Stadtverwaltungsdirektor seine Bereitschaft erklärt, sich an einer Ausstellung in seiner Heimatstadt zu beteiligen. An diesem Tag nun unterbreitete der Geraer Stadtverwaltungsdirektor Henninger den schriftlichen Vorschlag mit der Zusicherung des Ankaufs von Werken für etwa 400 bis 500 Mark. Otto Dix antwortete am 15. September 1927 und am 16. September teilte der Geraer Kunstmaler Alexander Wolfgang dem Stadtrat mit, dass sich Otto Dix in Gera aufhalte und seine Werke zum Ankauf vorzulegen bereit sei. Bereits am 17. September 1927 wurden 3 Aquarelle (ein Frauenbildnis, ein Männerbildnis und ein Bild eines Säuglings) für insgesamt 700 Reichsmark gekauft.


      Sehr geehrter Herr

                                                                                                    Dresden am 15. Sep. (19)27

       

      In Ihrem werten Schreiben vom 27. Juni d.J. Sicherten Sie mir u.a. einen Ankauf in Höhe von 400 -500 MK zu. Unterdessen ist meine Ausstellung wie ich höre dort bereits eröffnet worden. Da mir ein Teil der dort ausgestellten Bilder nicht mehr gehört sondern dem Kunsthändler bitte ich Sie höflichst mit dem Ankauf noch einige Tage zu warten. Ich komme am Freitag dieser Woche nach Gera und bringe noch eine Anzahl neuer Werke mit die noch für die Ausstellung bestimmt waren. Ich hoffe zuversichtlich, daß ich Sie am obengenannten Tag in Gera begrüßen kann.

       

      Hochachtungsvoll

      ergebenst

                  Otto Dix


      Quelle: Stadtarchiv Gera Bd. 1. III B 6 1659, Bl. 109


  • Otto Dix an den Geraer Oberbürgermeister 1927

    • 28.11.1927 Otto Dix an den Geraer Oberbürgermeister

      Auch dieser Otto Dix-Brief ist undatiert geblieben und ging am 28. November 1927 in der Stadt Gera ein. Hier unterrichtete der Geraer Maler den Oberbürgermeister Dr. Walter Arnold über die Möglichkeit des Ankaufs für das Bildnis seiner Eltern durch die Stadt Gera. (Hier muss man jetzt den Brief kennen) In einem anschließenden Antwortschreiben vom 30. November 1927 teilte der Oberbürgermeister dann mit, dass mit dem Kunsthändler Nierendorf keinerlei Vereinbarungen über den Erwerb von Werken getroffen worden sind. Weiterhin schrieb er, daß der Geraer Stadtrat keine Mittel zum Ankauf des „Elternbildes“ aufbringen kann, da diese ausschließlich zum Ankauf von Werken einheimischer Künstler bestimmt sind. (Für „einheimische“ Künstler war ein Etat von 6000 Reichsmark im Stadthaushalt geplant worden. Otto Dix lebte aber nicht mehr in Gera und wurde nicht mehr als einheimisch angesehen zu dieser Zeit.)


      An den Herrn Oberbürgermeister

      der Stadt Gera

      Sehr geehrter Herr Dr!

       

      Ich höre zu meinem Erstaunen daß mein früherer Kunsthändler Nierendorf neulich bei Ihnen war um über die Angelegenheit meines Elternbildes mit Ihnen zu verhandeln. Ich möchte Ihnen nun mitteilen, daß Herr Nierendorf keinerlei Auftrag von mir erhalten hat. Sie werden sich erinnern daß wir z.Zt schon über die Sache verhandelt haben. Ich hatte Ihnen das Bild als Leihgabe zugesagt unter der Bedingung daß die Stadt den Betrag (MK 3000) durch jährliche Raten abträgt. Ich bitte Sie höflichst sich dazu zu äußern ob und wann ich das Bild nach dort senden kann.

       

      Mit vorzüglicher Hochachtungsvoll

      Ihr sehr ergebener

                  Otto Dix

      Prof. a.d. Kunstakademie

                  Dresden


      Quelle: Stadtarchiv Gera Bd. 1. III B 6 1659, Bl. 126 127


  • Ausstellung für Dix-Werke 1947 - 1949

    • 25.07.1947 Otto Dix schrieb nach dem Krieg

      Lange Zeit war wohl der Kontakt abgebrochen zwischen dem Geraer Maler Otto Dix (1891-1969) uns seiner Heimatstadt in der er nicht mehr lebte, denn es wurde keine Korrespondenz mehr archiviert bis hierhin. Seinen Lebensmittelpunkt hatte der Künstler seit 1936 am Bodensee. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg bedeuteten auch für Dix einen ungeheure Zäsur und einen Einschnitt in sein künstlerisches Schaffen. Nach seiner Amtsenthebung als Professor der Kunstakademie in Dresden, dem Ausstellungsverbot und der Zurschaustellung seiner Kunstwerke als „entartet“ ab 1934, war auch beim nun nationalsozialistischen Geraer Stadtrat kein Interesse mehr an dem entarteten Künstler vorhanden. Man beugte sich auch in Gera dem Dogma der Zeit. Aber schon unmittelbar nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft war in Gera ein bemerkenswerter Aufschwung in der Entwicklung des geistig-kulturellen Lebens festzustellen. Die Bühnen der Stadt Gera gaben wieder Vorstellungen, das Kulturamt stellte wieder aus und in diesem Zusammenhang erfolgte rasch auch wieder eine Kontaktaufnahme mit Otto Dix in Hemmenhofen am Bodensee. So kam es zu einem Schreiben von Otto Dix an das Kulturamt der Stadt über seine Beteiligung an der geplanten Ausstellung „Geraer Maler stellen zur Diskussion“. (Zwischen dem letzten Otto-Dix-Brief an Gera im September 1927 und diesem Schreiben lagen nahezu 20 Jahre.)


                                                                                                    25. Juli (19)47

      Sehr geehrter Herr

       

      Besten Dank für Ihren freundlichen Brief. Arbeiten von mir hat in Gera nur Frau Zersch – Köstritz. Was sonst an Arbeiten dort ist, sind wohl meist unbedeutende Schülerarbeiten. Ich stelle Ihnen anheim zu warten bis die Transporte nach dort wieder möglich sind. Konzentrieren Sie sich doch auf meine große Dix-Ausstellung in 4 Jahren wenn ich 60 Jahre alt bin.

      Es ist nicht notwendig jetzt alles zu übereilen. Es wär' dann erwünscht wenn ich sämtliche Räume des Kunstvereins haben könnte. Leider hat man in Gera nicht die Gelegenheit wahrgenommen in den  vergangenen 20 Jahren Arbeiten von mir zu erwerben, obgleich oft Gelegenheit dazu war. Aber das ist ja nicht Ihre Schuld. Augenblicklich bin ich leider nicht in der Lage Ihnen etwas zu verkaufen auch damit bitte ich zu warten bis die Währung wieder etwas besser ist.

      Den Titel Ihrer Ausstellung „Geraer Maler stellen zur Diskussion“ finde ich nicht gut. Ich stelle meine arbeiten nicht zur Diskussion aus sondern zur Betrachtung und dazu gehört das man nicht redet.

       

      Mit bestem Gruß

                  Ihr ergebener

                  Otto Dix


      (Später wurde der Name der Ausstellung in „Geraer Maler stellen zur Schau“ abgeändert. Otto Dix unterstützte die Ausstellung nicht direkt, aber es wuchs danach ein besserer Kontakt zu Gera, wobei Grundlagen für weitere Ausstellungen geschaffen wurden.)

      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 17.11.1947 Ausstellungsvorbereitungen für Dix-Werke

      In zwei Schreiben vom 14. Juli 1947 und vom 17. Juli 1947 hatte sich der Leiter des Geraer Kunstamtes Theo Richard Piana im Auftrag des Rates der Stadt mit der Bitte an Otto Dix gewandt, ein geplantes Ausstellungsvorhaben in Gera mit seinen Werken zu unterstützen. Zur gleichen Zeit wurde um Hinweise gebeten, ob sich Dix-Werke gegebenenfalls in Privathand befänden, die in der Ausstellung gezeigt werden könnten. Neben dem Künstler Alexander Wolfgang, ebenfalls ein Geraer Künstler und zudem der Schwager von Otto Dix, besaß auch die Familie Zersch aus Köstritz Dix-Werke. Der von Otto Dix abgelehnte Titel der Ausstellung „Geraer Maler stellen zur Diskussion“ war in „Geraer Maler stellen zur Schau“ geändert worden. Im November 1947 schrieb Otto Dix erneut einen Brief an den Rat der Stadt und sagte diesmal seine Unterstützung für eine Ausstellung im Jahr 1948 zu. Leider kam die Ausstellung erst 1949 zustande. Der Briefverkehr mit der Stadt und dem Künstler ist erhalten geblieben. Der erste Brief war wieder einmal undatiert und ging am 17. November 1947 in Gera ein.


      Sehr geehrter Herr Dr. Piana

       

      Vielen Dank für den reichhaltigen Katalog. Im April – Mai 1948 wird von der Stadt Dresden eine größere Ausstellung meiner Bilder gemacht. Falls Sie die Möglichkeit eines guten sorgfältigen Transportes von Dr(esden) nach Gera und zurück hätten, könnten Sie die Arbeiten mit zur Ausstellung übernehmen. Die Ausstellung wird der Galeriedirektor von Dresden Prof. Balzer arrangieren.

       

      Mit bestem Gruß

                  Otto Dix


      Nachdem Otto Dix im Zusammenspiel mit einem Besuch in Gera im ersten Halbjahr 1949 auch eine Unterredung mit dem Geraer Oberbürgermeister Curt Böhme geführt hatte, entstanden nun auf eine entsprechende Bitte der Stadt um Übernahme der Dresdener Ausstellung die nachfolgenden Schreiben.

      Zunächst sagte Otto Dix dem Oberbürgermeister der Stadt Gera die Übernahme seiner Ausstellung aus Dresden zu und bat um Unterstützung für seine in der Stadt lebende Mutter.

      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 01.06.1948 An den geraer Oberbürgermeister

                                                                                                                  1. Juni 1948

       

      Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!

      Daß der Prophet in seinem Vaterlande nicht viel gilt, wußte ich, um so mehr hat mich Ihr liebenswürdiger Brief erfreut. Im Grunde bin ich ja auch ein sehr privater Mensch und große offizielle Ehrungen liebe ich nicht. Ich hoffe, daß ich bei einer späteren Gelegenheit die Mitglieder des Kulturausschusses kennenlerne.

      Recht wenig erfreut hat mich der Zustand, in dem sich meine alte Mutter befindet. Sie bekommt nicht genug zu essen und im vergangenen Winter mußte sie sehr frieren. Aber an dieser Tatsache können sie, verehrter Herr Bürgermeister, wohl auch nichts ändern. Trotzdem läge mir an einer Hilfe in dieser Sache mehr als an allen offiziellen Ehrungen. Falls meine Ausstellung in Dresden stattfindet wäre es natürlich möglich, dieselbe auch in Gera zu zeigen. Die Bilder sollen von hier per Lastauto nach Dresden gebracht werden, müßten dann aber nach Schluss der Geraer Ausstellung per Auto wieder nach Hemmenhofen zurückgebracht werden. Dies wäre die wichtigste Bedingung.

       

      Ihr sehr ergebener

                  Otto Dix


      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 04.08.1949 Brief an Dr. Thurm

      Nun konkretisierte Otto Dix in einem Schreiben an Dr. Thurm seine Angaben zu der in Gera geplanten Ausstellung und schrieb einen auf den 4. August 1949 datierten Brief nach Gera.


                                                                                  4. Aug. 49

       

      Sehr geehrter Herr Dr. Thurm!

       

      Gestern war die Kommission aus Dresden bei mir und hat 35 Bilder, 30 Lithos und 30 Zeichnungen für die Sonderausstellung (Dixausstellung) Dresden ausgewählt. Die Bilder werden in nächster Zeit hier abgeholt. Die Ausstellung dauert vom 8. S(e)pt. Bis Anfang Oktober. Es wäre also möglich, daß sie die Bilder Anfang Oktober in Dresden abholen könnten und ausstellen. Die Arbeiten müßten Ende Oktober wieder in Dresden sein, damit sie mit dem großen Transport die die 2. Deutsche Kunstausstellung wieder zurückgebracht werden. Mit Prof. Balzer, Generaldirektor der Staatl. Sammlung, habe ich die Sache besprochen, wollen Sie sich bitte mit ihm sofort in Verbindung setzen.

      Dresden – Eliasstr. Kunstgewerbemuseum

      Sie müssen auf jeden Fall garantieren

      1. Für den Transport nach Dresden
      2. sorgfältigste Verpackung durch Fachleute

      III. Versicherung

      IV. Druck eines Katalogs ev(entuell)mit Balzer besprechen zur Übernahme des Dresdener Katalogs

      Ob ich selbst nach der Ostzone komme, weiß ich nicht, augenblicklich bin ich krank und im Krankenhaus.

       

      Mit besten Grüßen Ihr

                  Dix


      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 30.08.1949 Brief an Dr. Thurm

      Der nächste Brief von Otto Dix an Dr. Thurm war auf Ende August 1949 datiert und wurde von Dresden aus nach Gera versandt. Darin war zu lesen.


                                                                                        Dresden 30. Aug. (1949)

       

      Sehr geehrter Herr Dr.

       

      Ich nehme an , daß sie meinen Brief aus H. Erhielten. In nächster Woche wird die Dixausstellung im Kunstgewerbemuseum eröffnet und Sie müßten sich sofort mit Prof. Balzer in Verbindung setzen. Die Bilder müssen unbedingt Ende Oktober wieder in Dresden sein, wenn der Transport wieder nach den Westzonen geht.

       

      Mit bestem Gruß

                  Otto Dix


      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 27.10.1949 Telegramm

      Im Zusammenhang mit der Ausstellung in Gera, welche vom 16. bis zum 30. August in Gera stattfand, kam es im Kulturausschuss zur Beratung über den Ankauf  vom Kunstwerken aus eben dieser Sonderausstellung. In einem Telegramm vom 27. 10. 49 wurde der Maler um seine Zustimmung zum Verkauf und die entsprechenden Preisangaben gebeten. Schon einen Tag später erhielt das Geraer Kulturamt eine telegraphische Rückantwort.

      Otto Dix übermittelte dem Kulturamt sein Einverständnis zum Ankauf einzelner Kunstwerke mit den entsprechenden Preisangaben.



      Der Geraer Stadtrat entschloss sich in einer Sitzung am 2. November 1949 zum Ankauf einiger Kunstwerke. Für den Gesamtpreis von 22.200 Mark wurden die Werke „Kreuztragung“ und „Der Krieg“ erworben und außerdem wurde der Grundstein für das bis in die Neuzeit erhalten Dix-Kabinett in Gera gelegt.

      Quelle: Stadtarchiv Gera


  • Otto Dix nach 1950

    • 03.09.1951 Zum 60. von Otto Dix

      Im Jahr 1951 vollendete der Geraer Maler Otto Dix seine 60. Lebensjahr. Er stattete dabei seiner Heimatstadt, der Künstler lebte seit dem Jahr 1936 in Hemmenhofen am Bodensee, einen Besuch ab. Schon im Juli des Jahres 1947 hatte Otto Dix zu einer Ausstellung mit seinen Werken in Gera angeregt, was die Stadt Gera nun wiederum dazu nutzte, anlässlich des bevorstehenden Ehrentags der Geraer Sohnes eine Ausstellung zu organisieren und ein Ehrung des Künstlers vorzunehmen. Am 3. September 1951 wurde die Einladung an Otto Dix verschickt, welcher am 11. September 1951 darauf auch antwortete. Er nahm die Einladung an und übermittelte dem Geraer Oberbürgermeister einige Hinweise für die geplante Ausstellung.


                                                                                                     01. September 1951

       

      Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister!

       

      Für Ihre freundliche Einladung im Dezember nach Gera zu kommen, danke ich. Ich nehme an, daß ich am 4.-5. Dezember nach Gera kommen kann. Genaues Datum erhalten Sie noch. Es dürfte ihnen sicher bekannt sein, daß normale Frachtsendungen nach der DDR nicht möglich sind, daß man also wahrscheinlich Erlaubnis, Exportgenehmigung usw. braucht, gleichfalls bin ich nicht in der Lage um diese Sachen herumzulaufen. - Dazu kommt noch, daß im Dezember meine große Ausstellung – 160 Arbeiten – nach Mannheim geht; sie ist jetzt in Hagen, dann in Essen, dann in Bochum. Prof. Passarge von Mannheim wird in der nächsten Zeit hier in Hemmenhofen noch weitere Bilder für die Schau aussuchen. - Es kämen also nur Leihgaben in Frage, die sich bereits in der DDR befinden. Ich schlage Ihnen nun folgendes vor:

      1. Leihgen Sie für die Ausstellung das große 4-teilige Kriegsbild, welches im Museum in Halle ist; damit wäre schon eine wand bedeckt.
      2. Wenden Sie sich außerdem an Prof. Dr. Justi, Nationalgalerie Berlin, der das Bild „Auferstehung“ als Leihgabe hat, es aber nicht aufgehängt hat.

      III. Im Dresdener Atelier wäre noch „Lot und seine Töchter2 und ein „Christopherus“, welche einem Privatbesitzer gehören.

      IV. Dr. Glaser in Dresden hat ein schöne Bild von 1920 „Mutter und Kind“, 1 Porträt von sich. Dann könnte man noch 40 Lithos ausstellen und Handzeichnungen, letztere auch aus Privatbesitz. - In allen diesen Sachen wollen Sie sich bitte an Dr. Fritz Löffler, Dresden A 27, Bamberger Straße 27, wenden, der Sie sehr sachkundig beraten kann. Ich werde an Dr. Löffler in diesem Sinne schreiben. Ich erwarte Ihre baldige Nachricht.

       

      Mit vorzüglicher Hochachtung

                  gez. Otto Dix


      Die hier angegebenen Bilder wurden dann tatsächlich fast alle in der Ausstellung „60 Jahre Otto Dix“ gezeigt. Danach teilte Otto Dix der Stadt Gera und dem Kulturamt wiederum in Form eines Telegramms mit, wann er nach Gera kommen würde.

      Quelle: Stadtarchiv Gera


    • 26.11.1951 Telegramm

      Otto Dix teilte dem Kulturamt in Gera die Termine seiner Ankunft und der Feier in einem Telegramm mit.



      Quelle: Stadtarchiv Gera


  • Weitere Dokumente

    • Sammlung

      Bei folgenden handelt es sich um maschinell erstellte Dokumente von und über Otto Dix.



      Quelle: Stadtarchiv Gera


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18.01.2015
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