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Ihre Suche nach Stadtmuseum erbrachte folgende Ergebnisse.
Zu Ihrem Suchbegriff wurden 63 Artikel ab dem Jahr 2000 gefunden.

1200 Das Schloß Osterstein
ie Entstehungsgeschichte von Schloß Osterstein.
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1224 Rätsel um die Wurzeln der Stadt
ann Gera wirklich zur Stadt geworden war, ist in der Neuzeit nicht mehr eindeutig zu klären. Urkundlich steht es nicht genau fest. Als sicher kann aber betrachtet werden, dass Gera nicht aus slawischen Wurzeln entwachsen ist, sondern das der Ort aus einer Gruppe planmäßiger deutscher Stadtgründungen hervor ging, welche im slawischen Ostland nach der Eroberung des Landstrichs angelegt worden sind. Ein Klosterhof des Stiftes Quedlinburg (an der Ostseite der Heinrichstraße, Richtung Stadtmuseum), mit Marktrecht begabt, und die Burg des Vogtes (das alte Schloss der Vögte in Höhe der Burgstarße/Florian Geyer Straße), sind als Anfangspunkte des Stadtbaus anzunehmen.
1300 Die Sankt Trinitatiskirche
iese bekannte Geraer Kirche wurde am Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und kann somit als einer der ältesten Sakralbauten der Stadt bezeichnet werden.
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1353 Berufliche Randgruppen in Gera
ie Bader gehörten zu so einer Gruppe. Trotzdem nannte man eines der Stadttore in Anlehnung an diesen Beruf später das Badertor. Das Aufsuchen von Badehäusern gehörte zum Alltagsleben der mittelalterlichen Bevölkerung, zumindest für einen Teil. Dort konnte man konnte sich die Haare schneiden und sich rasieren lassen. Weiterhin führten die Bader bestimmte ärztliche Eingriffe wie Wundversorgungen und Zahnbehandlungen durch. Wenn sie auch mit solchen wichtigen Tätigkeiten zu den Ahnen der modernen Chirurgen oder Zahnärzte gehörten, so war es wahrscheinlich die beliebte und berüchtigte Badeerotik, die sie in Verruf brachte und in die Nähe der "Frauenwirte" rückte. Sie waren schlichtweg Hurenhäuser. Zu erwähnen wäre aber noch, dass es den Bader auch als reisenden Fahrensmann gab, der von Ort zu Ort zog und seine vor allem medizinischen Künste auf Jahrmärkten anbot. Die Badehäuser der besser gestellten Stadtbürger trugen den Charakter eines "geselligen" Anwesens, denn beim Baden konnte gegessen und getrunken werden und oftmals spielt dort auch noch Musik zur Unterhaltung der meist betuchten Gäste. In Gera befand sich die Baderei gegenüber des späteren Stadtmuseums, welches als Zucht und Waisenhaus im 18. Jahrhundert errichtet wurde, außerhalb der Stadtmauer. Man glaubte zu dieser Zeit, dass in Bädern Seuchen verbreitet werden konnten, und deshalb wurden in Seuchenzeiten diese Bäder geschlossen.
1360 Handel mit Meißner Groschen
n Gera wurde zu dieser Zeit reger Handel mit dem vom Haus Wettin seit dem 13. Jahrhundert beherrschten Meißener Umland getrieben. Die Handelsbeziehungen mussten sich bis zum Jahr 1411 erstreckt haben, da spätere Münzfunde, 224 Meißener Groschen, in der historischen Geraer Innenstand auf diesen Umstand hinwiesen. Die Datierungen der Münzen und die Abbildungen des Herrscherhauses bewiesen dies. Das Geraer Stadtmuseum nahm sich der Münzfunde an.
1445 Die Geraer Hospitale
as Wolfgangshospital lag außerhalb der Stadt, da dort immer wieder Pest- und Lebragefahr bestand und man die Ausbreitung von Seuchen innerhalb der Stadtmauern auf jeden Fall verhindern wollte. In unmittelbarer Nähe davon wurde 1611 die Trinitatiskirche geweiht, welche über Jahrhunderte die Geraer Grabeskirche war und daher auch einen Friedhof (Trinitatisfriedhof) hatte, auf dem bis zum Jahr 1900 Beisetzungen vorgenommen wurden. Das Marienhospital war dagegen schon im 15. Jahrhundert eine Unterbringung für alte und gebrechliche Menschen. Das Marienhospital wurde 1445 erstmals urkundlich bezeugt und im gleichen Jahr wurde der Einrichtung von zwei reichen Geraer Familien ein Meßbecher geschenkt, was zu dieser Zeit einem enormen Besitztum gleich kam. Im Jahr 1639 brannte das Hospital ab und an seiner Stelle wurde ein Zucht- und Waisenhaus gebaut. Später wurde es als Stadtmuseum bekannt.
06.10.1445 Stiftung von Seelenmessen
ranz Kudorf und die Brüder Waltheym stiften eine Anzahl von Seelenmessen, zu halten in „Unserer lieben Frauen Kapelle des Hospitals“. Das Hospital Beatae Mariae Virginis lag vor dem Badertor, gegenüber der Baderei am Mühlgraben. (Heute steht dort das Geraer Stadtmuseum.)
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1456 Stiftung eines Abendmahlskelch
ie angesehenen und sehr wohlhabenden Familien von Kudorf und von Waltheym stifteten einen vergoldeten Abendmahlskelch, mit einem Saphir dem St. Marien Hospital in Gera. Später wurde der Kelch im Geraer Osterlandmuseum, danach das Stadtmuseum ausgestellt.
1515 Das Steinmetzzeichen
ine steinerne Türeinfassung mit der Inschrift „ANNO DOMINI M.D.X.V.“ und Steinmetzzeichen belegt weitere Bauarbeiten am Schloß.
(Im Stadtmuseum im Jahres 2007 war das zu besichtigen)
1611 Kirchenumbau in Gera
eit Mitte des 16. Jahrhunderts, nach der Reformation durch Martin Luther (1483-1546), war der Geraer Friedhof außerhalb der Stadt an der Trinitatiskirche zu finden. Diese Kirche wurde nun, auf Grund ihrer neuen Funktion als Begräbniskirche, umgebaut und erweitert worden. Auch der Friedhof wurde bis zu seiner endgültigen Außerbetriebnahme im Jahr 1900 mehrfach erweitert.
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1619 Hochwasser in Gera
n diesem Jahr überschwemmte ein Hochwasser der Elster große Teile der Umgebung von Gera und den Friedhof. Das Wasser reichte bis zum Leichensteg, der späteren Gerbergasse. In neuerer Zeit wäre das so, als wenn das Wasser von der Heinrichsbrücke bis zum Stadtmuseum vorgedrungen wäre. Am Rutheneum (später Goethegymnasium) war Gera zu dieser Zeit zu Ende, dort, am Badertor, begann die Vorstadt.
1630 Ein berühmtes Portrait
er berühmte Geraer Maler Johann Dobenecker portraitierte Heinrich Posthumus im Jahr 1630, etwa fünf Jahre vor dessen Tod. Das Bild wurde später im Geraer Stadtmuseum ausgestellt.
1640 Der erste Küchengarten
n diesem Jahr wurde der Geraer Küchengarten als "Großer Garten" in der Geraer Historie zum ersten Mal erwähnt. Er war zur Versorgung des Schloss Osterstein angelegt worden.
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1677 Bautätigkeit in Gera
nter dem Reußen Heinrich XVIII. (1677-1735), dem Erbauer der Sankt Salvatorkirche, der Orangerie im Küchengarten, dem Regierungsgebäudes neben dem Rutheneum (Goethe-Gymnasium) und des Zucht- und Waisenhauses (später Stadtmuseum), fanden auch wieder umfangreiche Bauarbeiten auf dem Schloss Osterstein statt. Die Geraer, die Untertanen derer zu Reuß, mussten, wie bereits unter den reußischen Vorgängern üblich, wieder einmal Pferde- und Handfrohnen in großem Rahmen leisten. Sie stellten Transportpferde und Arbeitskräfte zu Verfügung. In dieser Zeit entstand auch der mit den Portraits der Ahnen des gräflichen Reuß-Geraer-Hauses geschmückte Ahnensaal des Ostflügels des Osterstein.
26.06.1724 Baubeginn des späteren Stadtmuseums als Zucht- und Waisenhaus
aubeginn der Zucht- und Waisenhausanstalt vor dem Badertor. Das war zu dieser Zeit noch in der südlichen Vorstadt, da man weder Verbrecher noch Waisenkinder innerhalb der Stadtmauern. An dieser Stelle befand sich ursprünglich die Dreikönigs- und Marienkapelle. 1738 wurde der Bau des späteren Stadtmuseums vollendet. Im Dachgeschoss war die "Verrücktenanstalt" untergebracht, was die Geraer sagen lies: "Im Keller die Gefangenen, darüber die Waisenkinder und ganz oben die Verwaltung".
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26.06.1724 Baubeginn des Zuchthauses
ach der Abtragung der Brandruine der Dreikönigs- und Marienkapelle in der Geraer Vorstadt, begann man mit der Erbauung des Zucht- und Waisenhauses, später das Stadtmuseum. Äußerlich war der Bau bereits im Jahr 1730 vollendet, der vordere Teil des markanten Gebäudes mit dem Turm wurde erst 1738 fertig gestellt. Für das Bauwerk gingen viele freiwillige Gaben und Spenden ein.
1732 Alltag im Zucht- und Waisenhaus
er Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums, schrieb im „Geraer Heft“ auf den Seiten 39 bis 43 folgendes zum späteren Stadtmuseum, eines der bekanntesten Gebäude der Stadt. „Der Unterhalt des Zucht- und Waisenhauses geschah aus verschiedenen Quellen. Kurz vor der Einweihung des Hauses im Jahr 1732 legte Heinrich XVIII. jüngere Reuß mehrere der Anstalt zugute kommende Abgaben fest. Zum einen sollten alle Personen die in weltliche oder geistliche Landesdienste traten, von jedem Hundert ihres Einkommens einen Gulden an das Zucht- und Waisenhaus geben, zum anderen wurde künftig von verschiedenen gerichtlichen Handlungen (z.B. Anfertigung von Geburtsbriefen, Testamenten oder Vormundschaftsbestätigungen, Testamentseröffnungen, Grundstückskäufe und – verkäufe) im ganzen Land eine Abgabe von ein bis zwölf Groschen zugunsten des Zucht- und Waisenhauses verlangt.“

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1732 Zur Geschichte des späteren Stadtmuseums
er Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums, schrieb im "Geraer Heft" auf Seite 39 folgendes zum späteren Stadtmuseum, eines der bekanntesten Gebäude der Stadt. "Das barocke Gebäude des heutigen Geraer Stadtmuseums wurde 1732 als Zucht- und Waisenhaus eingeweiht und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein auch in diesem Sinne genutzt. Der Bau des Hauses und die Gründung der Anstalt erfolgte unter bemerkenswerten Grundsätzen. Angefangen von der Wahl des Standortes, den Platzverhältnissen im Inneren des Hauses bis hin zu den klimatischen Bedingungen der Räumlichkeiten zeugt das Vorhaben, gemessen an den damaligen Verhältnissen, von Verständnis für die Erfordernisse der Insassen. Die Verbindung einer Zucht- mit einer Waisenhausanstalt mag aus heutiger Sicht befremdlich erscheinen, war wohl teilweise auch den Größenverhältnissen der kleinen Grafschaft Reuß geschuldet, entsprach aber auch dem Verständnis des 18. Jahrhunderts. Sträflinge und Waisenkinder sowie die in späterer Zeit zusätzlich im Gebäude untergebrachten Geisteskranken waren Gesellschaftsgruppen, die sich nicht von eigener Hände Arbeit ernährten: die Letzteren waren auf Grund ihres Geisteszustandes, die Waisenkinder wegen ihres Alters nicht dazu in der Lage, die Häftlinge schloss die ihnen zugedachte Strafe vom bürgerlichen Leben aus. Alle drei Gruppen mussten deshalb, wenn auch aus verschiedenen Beweggründen heraus, unter steter Betreuung und Beaufsichtigung gehalten werden.
28.04.1732 Die Waisenhauskirche
n diesem Apriltag wurde in Gera in der Vorstadt vor dem Badertor die Zucht- und Waisenhauskirche eingeweiht. Später wurde aus dem Gebäude ein Museum. Erst das Osterlandmuseum und dann das Stadtmuseum.
1737 Abriss des Hospitals
m Jahr 1686 war es in Gera zu einem verheerenden Stadtbrand gekommen, bei dem am Badertor nicht nur die historische Hospitalkirche zu Schaden kam (1724 abgerissen) sondern auch das Hospital selbst. In diesem Jahr nun wurde auch diese Brandruine abgerissen und damit Platz geschaffen, das Zucht- und Waisenhaus (später Stadtmuseum) bauen zu können.
1738 Erweiterung der Kirche
m Jahr 1732 hatte man vor den Toren der Stadt das Zucht- und Waisenhaus, später als Stadtmuseum bekannt, eröffnet. Im Gebäude befand sich auch eine kleine Kapelle, eine Kirche, die aber bald zu klein wurde. Im Jahre 1738 wurde im Ostteil des Gebäudes zum Zwecke der Erweiterung der Waisenhauskirche ein großer Teil der Decke zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss entfernt. Ab dem Jahr 1868 wurde das Gebäude an weitere Institutionen vermietet. Im Jahr 1897 wurde das städtische Museum einer der Mieter in dem Anwesen und brauchte schon bald mehr Platz für seine Sammlung, was dazu führte, dass umfangreiche Umbaumaßnahmen geplant wurden. Aber erst kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wurde die Decke wieder geschlossen, um mehr Ausstellungsfläche zu gewinnen.
24.09.1738 Arbeiten am Zucht- und Waisenhaus
b dem Jahr 1730 hatte man in der Geraer Vorstadt den Plan zum Bau eines neuen Zucht- und Waisenhauses (später das Stadtmuseum) umgesetzt. Am 28. April 1732 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Am 24. September 1738 wurden dann Knopf und Fahne auf den Turm gesetzt. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
1739 Eine Uhr fürs Waisenhaus
m Jahr 1739 wurde auf dem Geraer Zucht- und Waisenhaus (später das bekannte Stadtmuseum) einen Uhr angebracht. Installiert wurde sie auf dem Dachreiter. Leider erhielt das Gebäude erst im Jahr 1761 eine Glocke auf dem Turm, so dass die Uhr erst dann die Stunde nicht nur anzeigen konnte, sondern auch hörbar die Stunde schlug. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
1765 Der Siebenjährige Krieg tobte in Gera
ährend des Siebenjährigen Krieges von 1756-1763 wurde das Geraer Zucht- und Waisenhaus zum Militärlazarett um funktioniert. Durchschnittlich war es zu dieser Zeit mit 250 Verwundeten belegt. Später wurde das Gebäude als Stadtmuseum bekannt.
1766 Sammlung für die Orgel
n der Kapelle des Geraer Waisenhauses, später das Gebäude des Stadtmuseums, wurde eine Kollekte, eine Geldsammelbüchse, aufgestellt, um die Erbauung einer Orgel zu finanzieren. Der Orgelbauer Friederici, welcher aus Gera stammte, erhielt für seine Arbeit dann die Summe von 230 Talern und 16 Groschen.
1769 Eine Orgel für das Waisenhaus
m Jahr 1732 wurde das Geraer Zucht- und Waisenhaus (später das Stadtmuseum) in der Vorstadt eingeweiht. 1739 erhielt das Gebäude eine Uhr und 1761 eine Glocke. Im Jahr 1769 installierten die Gebrüder Friederici eine in Gera gefertigte Orgel, "um den Gesang in derselben besser zu ordnen." (Christian Gottfried Friederici (1714-1777) wurde, wie auch sein Bruder Christian Ernst Friederici (1709-1780), in Meerane geboren. Er war Ratskämmerer in Gera und übte den Beruf des Klavier- und Orgelbauers aus. Den Beruf hatten beide Brüder gemeinsam. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
18.09.1780 Das Zuchthaus in Flammen
s war am 18. September 1780, als ein großer Stadtbrand innerhalb von nur dreieinhalb stunden etwa 90 % aller Gebäude in der Stadt zerstörte. Auch das im Jahr 1732 eingeweihte Zucht- und Waisenhaus (später das Stadtmuseum) wurde ein Raub der Flammen. Zeitgenössige Bauexperten hatten das massive Gebäude eigentlich für unzerstörbar gehalten und daher wurde der verheerende Fehler gemacht, die vorsorgliche Evakuierung der Insassen zu unterlassen. (mancher sieht Parallelen zur Titanickatastrophe von 1912) Erst als die Flammen bereits aus den Fenstern der Obergeschosse schlossen, brachte man die Waisenkinder und die pflegebedürftigen Personen über den Gebäudeseiteneingang nach dem Badertor in Sicherheit. Durch das Badertor, welches gut 100 Jahre später beseitigt wurde, gelangte man zu dieser Zeit entlang des Rutheneums in die Stadt. Die zur Heinrichstraße weisende Haupttreppe war durch die brennenden Trümmer des Dachreiters versperrt worden und weil der Weg am Waisenhaus vorbei in Richtung des Gasthofes "Grüner Baum" am Brühl auf der anderen Gebäudeseite unpassierbar war, führte man die Waisenkinder auf großen Umwegen in den Waisenhausgarten. Diesen Garten hatte Heinrich XXX. im Jahr 1776 erworben und dem Waisenhaus geschenkt. Die im Keller des Zucht- und Waisenhauses untergebrachten Strafgefangenen sollen bereits dem ersticken nahe gewesen sein, als sie schließlich doch noch ins Freie gebracht und unter strikter Bewachung auf ein angrenzendes Feld neben dem Waisenhausgarten gebracht wurden. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
11.1780 Die Zuchthäusler und die Waisenkinder
m 18. September 1780 hatte ein Großfeuer in der Stadt fast 90 % der Gebäude zerstört. Auch das 1732 eingeweihte Zucht- und Waisenhaus war stark betroffen, obwohl das Gebäude bei Bauexperten seinerzeit als unzerstörbar geholten hatte. Die Waisenkinder hatte man nur über den Waisenhausgarten retten können als die Flammen schon meterhoch aus dem Gebäude schlugen. Den Garten hatte Heinrich XXX. vier Jahre vor dem Brand an das Haus verschenkt. Nach dem Brand richtete man das Gartenhaus im Waisenhausgarten so ein, dass es auch über den Winter 1780/1781 den Waisenkindern Unterkunft bot. Die Sträflinge hingegen wurden, nachdem sie die erste Nacht unter strenger Bewachung im Waisenhausgarten verbracht hatten, in das Wachthaus am Badergatter, gegenüber der Trinitatiskirche geführt, und verblieben dort, bis die Gewölbe im Zuchthauskeller wieder hergestellt waren. Im Jahr 1782 war das Gebäude wieder aufgebaut, und in der Waisenhauskirche wurden zwei weitere Kapellen eingerichtet. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
29.05.1782 Aufbau nach dem großen Brand
s sollte Jahre dauern, bis die Stadt nach dem großen Stadtbrand vom September 1780 wieder aufgebaut war und das Leben wieder einen normalen Gang nehmen konnte. Ende Mai war das Zucht- und Waisenhaus, später das Stadtmuseum, wieder hergerichtet und am 4. Juni des Jahres auch die Salvatorkirche.
05.06.1783 Häftlinge in Not geraten
m Jahr 1732 hatte man in der Geraer Vorstadt ein Zucht- und Waisenhaus eingerichtet. Allerdings war auch ein so gut gesichertes Gebäude nicht vor allen äußeren Einflüssen gefeit. Im September 1780 schlugen die Flammen aus dem Gebäude als der große Stadtbrand tobte und man hatte im letzten Moment die Waisenkinder und die Zuchthäusler noch vor dem Feuertod retten konnte. Aber nicht nur Flammen hatten das Gebäude in diesem Jahrzehnt gefährdet, sondern auch Wasser, als sich im Juni 1783 ein so heftiges Gewitter über Leumnitz entladen hatte, dass die Wassermassen den Leumnitzbach zum reißenden Strom anschellen ließ und das Wasser sich bergabwärts in die Stadt ergoss. Das Zucht- und Waisenhaus lag fast auf Elsterniveau und somit an einem der tiefsten Punkte der Stadt. Es war aber nicht nur Wasser in die Vorstadt geflossen, sondern auch Baumaterialien hatten sich einen Weg durch die Stadt gebahnt und einige Zerstörungen angerichtet. Das Wasser stieg im Zucht- und Waisenhaus so hoch an, dass die Sträflinge die im Kellergeschoss untergebracht waren, ihre Zellen unter Bewachung verlassen durften, da sie sonst ertrunken wären. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
10.1787 Eine Brandstifterin
m Obergeschoss des städtischen Zuchthauses (Heute das Geraer Stadtmuseum) war eine gewisse Susanne Marie Schmalz aus Langenberg inhaftiert. Sie soll für einen Hausbrand in Stublach verantwortlich gewesen sein und soll, so der zeitgenössische Bericht, weitere Brände in Langenberg gelegt haben. Sie gestand die Taten und soll erst nach vielen Jahren Haft im Sarg das "gastliche Haus" verlassen haben. Der eigene Ehemann hatte sie angezeigt.
09.07.1796 Ein Brand in Weißig
n diesem Tag wurde durch ein verheerendes Schadensfeuer in Weißig die Schenke und fünf weitere Gebäude des Ortes ein Raub der Flammen. Der Gasthof zählte zu den 7 Erbschenken der Herrschft Gera, welche vom Bierbann der Stadt Gera befreit waren. Ein Jahr später wurde die Brandstifterin aus Langenberg dingfest gemacht.
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1798 Eisgang und Hochwasser
er Winter in den Jahren von 1798 auf 1799 war ungewöhnlich hart und streng. Auf der Elster hatte sich Treibeis gebildet und sich in Debschwitz angehäuft. Das wiederum führte zu einer Überschwemmung, welche die Stadt über die Wasserkunst und den Mühlgraben mit eisigem Wasser überflutete. Das Wasser strömte zwei ganze Tage lang in immerwährend gleicher Höhe am Roßplatz und an der Heinrichstraße vorüber. Die Häuser mussten daher mit Kähnen versorgt werden, weil sie trotz ihrer Lage von der Versorgung abgeschnitten waren. Die Kähne fuhren bis zum Zucht- und Waisenhaus, dem späteren Stadtmuseum. Zu dieser Zeit war die Kälte für die Menschen besonders stark zu spüren, da sie meist unzureichend gekleidet waren, die Unterkünfte und Wohnungen nur spärlich beheizt waren und von Isolierung noch nicht die Rede sein konnte. Viele Geraer überlebten diesen Winter nicht.
1810 Ein klassischer Gefängnisausbruch
as später als Stadtmuseum bekannt gewordenen Gebäude in der Geraer Innenstadt war 1732 als Zucht- und Waisenhaus eröffnet worden. Im Jahr 1780 wären die Gefangenen während des städtischen Großfeuers beinahe ein Opfer der Flammen geworden und drei Jahre später setzte den Gefangenen ein Hochwasser zu, was nach einem heftigen Wolkenbruch entstanden war. In der Zeit der Befreiungskriege, nach 1810, legte ein ehemaliger Sträfling ein Feuer im Zuchthaus, mit dem Ansinnen, sämtliche Gefangene zu befreien. Zugegebener maßen ein verwegener Plan. Zum Glück für alle Beteiligten, natürlich mit Ausnahme des Täters, wurde das Feuer rechtzeitig entdeckt und konnte noch im Keim erstickt werden. Der Brandstifter selbst entfloh dem drohenden Inferno als er seinen Plan scheitern sah, und ertränkte sich im nahen Mühlgraben. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
1811 Kinderarbeit im Waisenhaus
eit dem Jahr 1732 hatte Gera ein kombiniertes Zucht- und Waisenhaus (später das Stadtmuseum). Erste gesicherte Zahlen über die Anzahl der Waisenkinder sind seit 1810 zu erlangen. In den folgenden 14 Jahren waren zwischen 7 und 14 Kindern dort untergebracht, wurden da unterrichtet und auch zu Arbeiten herangezogen. Hauptbeschäftigung der Kinder war neben den Schulstunden das sogenannte Federnschleißen. Dabei wurden die Federkiele von den weichen Daunen getrennt, eine sitzende, eintönige und monotone Arbeit, die den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder massiv unterband. Der viel zu kleine Innenhof tat sein Übriges. Hinzu kam die ständige Nähe zu den Häftlingen und zu den geistig kranken Menschen, was die Waisenkinder in der eigenen physischen und psychischen Entwicklung hemmte. Eine Trennung der Waisenkinder von der Gruppe der Häftlinge und den "geisteskranken" Insassen war zwar primär vorgesehen, konnte aber nicht immer verwirklicht werden. Mit der Weihe der Konfirmation traten die Kinder dann ein eigenständiges Leben außerhalb des Hauses an, meist in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis bei Geraer Gewerbetreibenden oder Handwerkern.
1816 Zuchthaus für die Frankenthaler Räuberbande
ie aus über 40 Mitgliedern bestehende Frankenthaler Räuberbande, welche die Gegend 1816 und 1818 verunsicherte, wurde dingfest gemacht und im Zuchthaus, dem heutigen Stadtmuseum, eingesperrt. 40 Mitglieder der Band wurden schon 1817 festgenommen, nur der Anführer wurde erst 1818 auf dem Geraer Jahrmarkt gefasst. 
17.03.1816 Franz Gustav Spaethe geboren
er kunstsinnige Geraer Kaufmann Franz Gustav Spaethe, Besitzer des Hauses Große Kirchstraße 9, legte einem Durchgang von der Großen Kirchstraße zur Gasse Hinter der Mauer im Jahr 1869 an. Er verstarb im März 1871 in Gera.
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1817 Der ehemalige Waisenhausgarten
m Jahr 1732 hatte man in der Geraer Vorstadt das Zucht- und Waisenhaus, später das bekannte Stadtmuseum, errichtet. Im Jahr 1776 hatte Heinrich XXX. dem Waisenhaus einen garten geschenkt, welcher beim großen Stadtbrand vom 18. September 1780 als Fluchtmöglichkeit den Waisenkindern das Leben gerettet hatte. Im Jahr 1817 errichtete der Kommerzienrat Reichardt auf diesem Grundstück die Zeugdruck-Manufaktur Bauer und Fürbringer. Sie stand an der späteren De-Smit-Straße zwischen dem Mühlgraben und dem 1928 und 1929 errichteten Neubau der Leipziger Buchdruckerei AG, später die Geraer Stadtwerke. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
10.1821 Kindererziehung im Zucht- und Waisenhaus
ls im Oktober des Jahres 1821 der erst 12-jährige Knabe Christian Bachmann wegen des Diebstahls einer Messingtürklinke zur Verantwortung gezogen wurde, schlug der Geraer Stadtrat dessen Unterbringung im Geraer Zucht- und Waisenhaus (später das bekannte Stadtmuseum) vor. Grund für die Maßnahme war, dass der leibliche Vater des Jungen schon verstorben war und seine Stiefmutter, die leibliche Mutter war wohl auch verstorben, mit seiner Erziehung vollkommen überfordert war. Außerdem hatte sie nachteilige Folgen für ihre eigenen drei Kinder gefürchtet. Das schriftliche Exempel welches zu dem Vorgang angefertigt wurde konnte für diese Zeit als "exemplarisch" bezeichnet werden, für die herrschenden Vorstellungen der Kindererziehung. Darin sollte der Knabe "von dem Irrwege, den er schon seit längerer Zeit betreten, wieder zurück gebracht und auf den rechten Weg geleitet werden, so ist wohl uhnerläßlich nothwendig, daß er mit den Grundsätzen der christlichen Religion und ihren heilsamen Folgen bekannt gemacht, mit Liebe, aber auch, da näthig, mit Strenge behandelt, und so lange unter steter Aufsicht gehalten werde, bis seine Beßerung sichtbar, und derselbe nach erfolgter Confirmation zur Erlernung einer Profeßion in die Lehre gebracht werden könne."
1823 Umgang mit geistig Kranken
m Jahr 1732 eröffnete die Stadt Gera ein Zucht- und Waisenhaus in der Vorstadt, das spätere Stadtmuseum. Streng genommen war der Name des Hauses nicht korrekt, da sich dort neben den Zuchthäuslern und den Waisenkindern noch eine dritte Gruppe von Menschen befand, die geistig Kranken. Man sprach seinerzeit auch von einem Irrenhaus. Diese dritte im Haus befindliche Gruppe unterlag der größtmöglichen Isolation. Während die Strafgefangenen durch ihre Arbeiten im Haus und auch Einsätzen außerhalb ein gewisses Maß an Bewegungs- und Kontaktmöglichkeiten erhielten, sah man noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Art und Weise der Unterbringung von geistig Behinderten als bloße Verwahranstalt als völlig ausreichend an. Der Geraer Freiherr von Müffling, Vorgänger von Hofrat Johann Karl Immanuel Buddeus im Amt des Administrators des Hauses und bis 1823 im Amt, kritisierte die für eine eventuelle Besserung oder Heilung des Krankheitszustandes ungenügenden Verhältnisse und schrieb dazu. "er habe noch nie einen Wahnsinnigen daraus curiert hervorgehen sehen, wohl aber würden diese Kranken darin erst rasend, wenn sie vorher nur Anlage dazu gehabt hätten?". Allerdings wurde in seiner Amtszeit eine Verbesserung des Zustandes erreicht. Körperliche Aktivitäten der Geisteskranken beschränkten sich aber weiterhin auf das Gebäudeinnere.
1824 Neue Nutzung des Waisenhauses
m Jahr 1732 war in der Geraer Vorstadt ein Zucht- und Waisenhaus eingeweiht worden, welches später als Geraer Stadtmuseum bekannt wurde. Im Jahr 1824 wurden die Waisenkinder gegen ein gewisses Kostgeld in bürgerliche Familien zur Erziehung übergeben und konnten damit auch in öffentlichen Schulen unterrichtet werden. Das nun ehemalige zucht- und Waisenhaus erfuhr damit erstmals eine andere Nutzung, was danach häufiger geschah. Von 1824 bis 1837 nutzten die Fürstliche Steuer- und Polizeidirektion und das Fürstliche Kriminalgericht die ehemalige Wohnung des Waisenhauspredigers Pfarrer Karl Christian Adler im Erdgeschoss, sowie einige Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss links. (Quelle: Diplomhistoriker Siegfried Mues, ehemaliger Leiter des Stadtmuseums)
1824 Alltag im Zuchthaus
u allen Zeiten schon herrschten strenge Regeln in Zuchthäusern. Die Zeiten änderten sich zwar, aber der Aufenthalt der Häftlinge war immer mit Repressalien verbunden, zumal in früheren Zeiten auch zum Mittel der körperlichen Züchtigung gegriffen wurde. Das im Jahr 1732 eröffnete Geraer Zucht- und Waisenhaus (später das bekannte Stadtmuseum) hatte natürlich auch seine Regeln, an die sich besonders die Neuankömmlinge erst zu gewöhnen hatten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte man in Gera große Probleme mit einer Frankenthaler Diebesbande. Einige der zahlreichen Bandenmitglieder wurden in Gera untergebracht. Im Zusammenhang mit der Einquartierung von 20 der Verbrecher im Jahr 1824 wurde für den Zuchtmeister und seinen Burschen die Anordnung erlassen, stets mit Säbel, Pistole und Stock bewaffnet und auch nur zu zweit den Gefängnistrakt zu betreten. Auch konnte die Hauptwache, die dort in der Nähe befindlich war, zur Unterstützung des Zuchtmeisters herangezogen werden. Es ging aber auch anders, denn im Gegensatz zu diesen strengen Maßnahmen während des Gefängnisaufenthalts der Frankenthaler Bande, riefen ganz andere Maßnahmen Erstaunen hervor, denn da gab es diverse Zugeständnisse. Die Annalen erwähnten mehrfach, dass die Häftlinge je nach Schwere und der Sühne ihres Vergehens in drei Klassen eingeteilt wurden. Häftlinge erster Klasse hatten zum Teil die Aufsicht über die anderen beiden Klassen, die zweite Klasse tat das nicht, hatte aber gemeinsam mit der ersten klasse die Möglichkeit des Freigangs, was der dritten Klassen, den Sträflingen mit den schwersten Vergehen, nicht zustand.
1824 Der Hofrat und seine Waisenkinder
er Geraer Hofrat Johann Karl Immanuel Buddeus war zu dieser Zeit der Leiter des Steuer- und Polizeidirektoriums, hatte im Jahr 1824 aber auch das Amt des Administrators des Zucht- und Waisenhauses (später das Stadtmuseum) übernommen. Aus seiner Amtszeit stammt folgende Beschreibung zweier Waisenkinder. "Als der Unterzeichnete (Buddeus) das Waisenhaus übernahm, zogen unter den sieben bleichen Gestalten, aus denen jetzt die Zahl der Waisenkinder besteht, vorzüglich zwey seine Aufmerksamkeit auf sich, welche, im Gesicht, besonders an Nase, Mund und Augen verschwollen und entzündet, das traurige Bild vom Tageslicht gänzlich geblendeter, dem Erblinden naher Kinder darboten. Ihr Körper ist mit Narben von, zu ihrer Heilung gemachten und doch ohne Effect gebliebenen künstlichen Geschwüren bedeckt. Kurz sie sind das traurige Ideal der allbekannten Folgen der Waisenhaus-Erziehung, wie sie in den frühern Zeiten in den mehresten Ländern Deutschlands Statt fand und wie sie nunmehr großentheils aufgehoben ist."
1824 Neue Stellen im Zucht- und Waisenhaus
m Jahr 1732 eröffnete die Stadt Gera ein Zucht- und Waisenhaus in der Vorstadt, das spätere Stadtmuseum. Die Kombination aus Strafanstalt und Waisenhaus erwies sich mit den Jahren nicht immer als günstig. Daher wurden nun Änderungen vorgenommen. Mit der Gründung der Geraer Armenversorgungsanstalt im Jahr 1833, welche sich auch der Vermittlung der Waisenkinder verschrieben hatte, ging die Betreuung von Waisenkindern durch das Zucht- und Waisenhaus immer mehr zurück. Durch die Abgabe der Kinder in diesem Jahr in andere Hände, wurden zugleich einige Personalstellen vakant, wie die des Waisenvaters und der Waisenmutter. Beide waren für die wirtschaftlichen Belange des gesamten Hauses zuständig, was Essen, Kleidung oder auch Verwaltung betraf. Die Stelle des Zuchtknechtes wurde ebenfalls gestrichen, dafür wurde ein sogenannter Irrenwärter angestellt, der auf die Irren, die geistig Kranken die im Obergeschoss untergebracht waren, aufpassen musste. Bis dahin hatten der Zuchtmeister und sein Gehilfe neben den Züchtigungen der Strafgefangenen auch die Aufsicht über die geistig Kranken übernommen.
1824 Die Irren hatten Ausgang
iese Aussage ist ganz und gar nicht despektierlich gemeint, denn so war die sprachliche Gepflogenheit im beginnenden 19. Jahrhundert, als man über die Behandlung geistig kranker Menschen befand. Knapp 100 Jahre zuvor, im Jahre 1732, hatte man in der Geraer Vorstadt ein Zucht- und Waisenhaus (später Stadtmuseum) eröffnet, in welchem das Obergeschoss für die Bewahrung von "Irren" und "Geisteskranken" genutzt wurde. Als im Jahr 1824 ein neuer Administrator ins Haus kam, änderte er (Hofrat Johann Karl Immanuel Buddeus) viele Ding die zum Alltag der Insassen gehörten und versuchte den Kranken und den Waisenkindern das Leben doch etwas erträglicher zu machen, sie waren schließlich keine Zuchthäusler. Buddeus traf die Regelung, dass mit den "ruhigen Wahnsinnigen" bei heiterem Wetter täglich spazieren gegangen werde, die "gefährlichen" sollten, soweit es möglich war, in den kleinen Waisenhaushof geführt werden. Dieser wurde von den Waisenkindern auch als Auslauf genutzt.
1825 Häftlinge erhielten Peitschenhiebe
örperliche Züchtigung der Sträflinge durch die Zuchtmeister und deren Gehilfen war im Gefängnisaufenthalt an der Tagesordnung. Im bis 1732 errichteten Zucht- und Waisenhaus in Gera, dem späteren Stadtmuseum, war das nicht anders. Quellen belegen die Gewalt dort und berichteten den Repressalien. Bestrafungen und körperliche Züchtigungen, Hunger oder das Anlegen von Hand- und Fußfesseln, waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts anerkannte Methoden der Erziehung zum Gehorsam und zur Durchsetzung von Ordnungsprinzipien. Jeder neu Inhaftierte, dabei war es uninteressant ob männlich oder weiblich, erhielt die zynisch genannten Willkommensgrüße. Das waren, wohl auch als vorbeugende Maßnahmen entwickelt, zehn "Corbatschenhiebe". (Die Korbatsche oder auch Karbatsche war seinerzeit eine Peitsche ohne Stiel, nur mit einem Handgriff, bei welchem die Lederriemen gewöhnlich über Fischbein geflochten waren. Sie diente der Züchtigung der Sträflinge.)
1825 Entlassung des Irrenwärters
n der Geraer Vorstadt war im Jahr 1732 ein Zucht- und Waisenhaus eröffnet worden (später das bekannte Stadtmuseum). Dort brachte man neben den Zuchthäuslern und Waisenkindern auch "Geisteskranke" unter. Unter der Ägide von Johann Karl Immanuel Buddeus wurden einige Stellen neu geschaffen und es ergaben sich einige Änderungen im Alltag der Gefangenen und der Waisenkinder, später auch der geistig Kranken. Die Erstbesetzungen der neuen Arbeitsplätze erfüllten nicht die in sie gesetzten Erwartungen, obwohl die von ihnen zuvor ausgeübten Tätigkeiten als eine gute Voraussetzung angesehen wurden. Der erste "Irrenwärter", er war zuständig für die geistig Kranken, wurde schon im Jahr 1825 wieder entlassen, da er sich mit einer Gefangenen "verunkeucht" haben soll. (Er hatte wohl eine sexuelle Beziehung zu einer ihm unterstellten Schutzbefohlenen und Strafgefangenen.) Der Hausverwalter wiederum, zuvor als Gendarm in Gera tätig, sei nach den Worten von J. K. I. Buddeus keine Autoritätsperson gewesen, hätte sich sogar zum Gelächter der Gefangenen gemacht und in ständigem Unfrieden mit seiner Frau und seiner Tochter gelebt. "Die häuslichen Verhältnisse verursachen oft solche scanalösen Scenen im Hause, daß schon öfter unter den Eheleuten und dem Kinde Blut in Strömen geflossen ist und daß sich die Eheleute in Gegenwart vieler Menschen und sogar mehrerer Züchtlinge so schändlich, daß Niemand vor ihnen Achtung haben kann, heruntergerissen und sich einander Verbrechen vorgeworfen haben." Auch der Zuchtmeister war durch willkürliche Behandlung der Gefangenen und Befehlsverweigerung mehrmals Gegenstand der Kritik.
1826 Nicht jeder durfte züchtigen
üchtigungen, körperliche Strafen und andere Bestrafungen wie Brotentzug waren Gang und Gebe in jeder Haftanstalt, so auch im Geraer Zucht- und Waisenhaus, welches im Jahr 1732 eröffnet wurde und später als das Stadtmuseum bekannt wurde. Die Zellen im Keller waren unbeheizt und auf jeweils gut 12 Quadratmeter waren 5 Häftlinge untergebracht. Die sogenannten Haftbedingungen waren schlecht und wurden durch die körperlichen Bestrafungen noch härter, weil die Züchtlinge oft der Willkür des Zuchtmeisters oder seines Gehilfen ausgesetzt war, obwohl es Regeln für die Anwendung der körperlichen Strafen gab. Demnach durften die Körperstrafen nicht eigenmächtig vom Zuchtmeister, sondern nur auf Anweisung des Administrators, zu dieser Zeit Hofrat Johann Karl Immanuel Buddeus, angewandt werden. Nur bei der Verweigerung von erteilten Befehlen hatte der Geraer Zuchtmeister das Recht, den Strafgefangenen so lange zu schlagen, bis er sich den Befehlen fügte. Er musste die Schläge allerdings zu androhen, bei Anwendung nach jedem Schlag den Befehl wiederholen und musste aufhören mit der Bestrafung, sobald der Strafgefangene sich den Befehlen beugte. Die Schläge wurden mit der Peitsche (Korbatsche), oder im Falle der Ermangelung dieses "Werkzeugs" mit einem Stock auf den Rücken des Gefangenen ausgeführt.
1826 Änderungen im Zuchthausalltag
n der Geraer Vorstadt war im Jahr 1732 ein Zucht- und Waisenhaus eröffnet worden (später das bekannte Stadtmuseum). Dort brachte man neben den Zuchthäuslern und Waisenkindern auch "Geisteskranke" unter. Unter der Ägide von Johann Karl Immanuel Buddeus ergaben sich einige Änderungen im Alltag der Gefangenen und der Waisenkinder, später auch der geistig Kranken. Die Zellen der Häftlinge waren mit etwa 12 Quadratmetern nur dem Anschein nach geräumig, dort waren nämlich bis zu 5 Menschen untergebracht. Außerdem waren sie bis auf eine Zelle unbeheizt. Ab 1826 änderte sich das. Für die Sträflinge wurde im oberen Geschoss eine Krankenstube eingerichtet. Die erkrankten Häftlinge blieben bis dahin tagsüber, zum Teil zusammen mit anderen arbeitenden Sträflingen, im einzigen beheizten Raum im Kellergeschoss, wo sie auch nächtigten, ungeachtet der schlechten Klimaverhältnisse und der eklatanten Ansteckungsgefahr für die Gesunden. Zusätzlich wurde im Kellerbereich ein zweiter beheizbarer Aufenthalts- und Arbeitsraum geschaffen. Die sonntäglichen Gottesdienste durften die Häftlinge ab dem Jahr 1826 in einem abgesperrten Bereich der Empore und teilweise in den verschlossenen Kapellen, und damit vor den Augen der anderen Kirchgänger abgeschirmt, direkt in der hauseigenen Kirche verfolgen. Zuvor durften sie die Gottesdienste nur durch ein Loch in der Kellerdecke miterleben. Der Aufenthalt der Sträflinge in der Kirche während des öffentlichen Gottesdienstes erregte allerdings den Unwillen der Geraer Bürger. Man nannte es störend, sich den Sträflingen gegenüber zu befinden, und forderte deshalb ihre Entfernung aus dem Kirchenraum.
1826 Personalprobleme im Zuchthaus
n der Geraer Vorstadt war im Jahr 1732 ein Zucht- und Waisenhaus eröffnet worden (später das bekannte Stadtmuseum). Dort brachte man neben den Zuchthäuslern und Waisenkindern auch "Geisteskranke" unter. Unter der Ägide von Johann Karl Immanuel Buddeus ergaben sich einige Änderungen im Alltag der Gefangenen und der Waisenkinder, später auch der geistig Kranken. Die von Johann Karl Immanuel Buddeus angestrebten Veränderungen fanden fast ausnahmslos die notwenigen Genehmigungen des Fürstenhauses Reuß, die praktischen Umsetzungen wurden hingegen von allerlei Schwierigkeiten begleitet, was auch an unterschiedlichen Meinungen der Funktionsträger lag. Mit dem Personal der Anstalt gab es anhaltende Auseinandersetzungen, besonders zwischen dem Administrator (Buddeus) und dem Hauspfarrer namens Adler kam es zu fortwährenden Differenzen. Buddeus erwartete von dem Geistlichen eine über die Predigt hinaus gehende individuelle Betreuung der Sträflinge. Dieser verweigerte das Ansinnen allerdings, solche "Privatandachten" für Häftlinge zu halten und sagte: "welchem Geistlichen mag man zumuthen, sich zu jedem Verbrecher hindurchzudrängen und traulich und leise - wie H. B. meint - mit ihm zu sprechen?"-, ebenso eine Betstunde in den Kellerräumen abzuhalten mit dem Hinweis auf die schreckliche Örtlichkeit und die Gefahr für Leib und Leben.

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18.01.2015
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