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Chronik - Artikel von Beginn bis 1999
 
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Ihre Suche nach Roland Geipel erbrachte folgende Ergebnisse.
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1333 Die Kirche St. Ursula
bwohl keine gesicherte urkundlichen Überlieferungen für die Gründung der Kirche vorliegen, dürfte die St. Ursula Kirche zu den ältesten Kirchen im Geraer Stadtgebiet zählen und in den 1250er Jahren entstanden sein. Für die Entstehung im 13. Jahrhundert spricht vor allem der im wesentlichen Teilenspätromanische Chorturm. Eine an der Kirche eingemeißelte Jahreszahl könnte auf eine spätere Bautätigkeit im Jahr 1333 hindeuten, als die Kirche mit der Einrichtung des Langhauses und der Sakristei ihre heutige Gestalt erhielt. Umbauten und Erneuerungen wurden in den Jahren 1749, 1833 und 1934 vorgenommen. Die seelsorgerische Betreuung erfolgte in den ersten Jahrhunderten des Bestehens durch die St. Johanniskirche zu Gera 1533/34 und in den folgenden Jahren erscheinen in den Akten über die Kirchenvisitation folgende Namen der u.a. auch für Lusan zuständigen Kapläne bzw. Diakone: Conrad Quindler, Jacob Henning, Conrad Theilemann, Georg Derr, Christoph Schaller, Jacob Languth, Fr. Einwangen, Johann Kün, Mag. Johann Kindhans. Ab 1566 wurden die zuständigen Kapläne als Diaconi suburbani bezeichnet. Einer der bemerkenswertesten von ihnen war Johann Wohlwerth jun., der die im 30jährigen Krieg verbrannten Kirchenbücher neu erstellte und gemeinsam mit dem Schulmeister Georg Häsner die alte Taufschale der Kirche stiftete. Der letzte Diaconus suburbanus war Benno Etzold, dessen Tätigkeit 1886 endete. Ab 1886 wurde Lusan für fast 70 Jahre von Zwötzen mitversorgt. Pfarrer dieser Zeit waren: Heinrich Hahn, Johann Dietrich, Franz Simcik (diesem ist 1934 die Erneuerung der Kirche zu danken). Simcik stellte 1950 den Antrag auf Errichtung der Pfarrstelle Gera-Lusan-Zwötzen ll, dem am 1. April 1951 durch das Landeskirchenamt entsprochen wurde. Das Pfarramt nahmen in dieser Zeit Erich Schlegel und Helmut Vollbrecht wahr. Am 1. April 1955 wurden Lusan und Oberröppisch aus dem Kirchspiel Gera - Zwötzen - Lusan ausgegliedert. Es entstand das Pfarramt Gera - Lusan, dem Ober- und Unterröppisch, Gorlitzsch und Schafpreskeln zugeordnet wurden. Erster Pfarrer des neuen Kirchspiels wurde Erich Schlegel. Zur 625-Jahr-Feier 1958 wurde die neue Hartguss-Stahlglocke geweiht. Gegossen wurde diese von der bekannten Glockengießerei Franz & Söhne in Apolda mit der Inschrift "O Land, Land, Land Höre des Herrn Wort". Größer als ihre beiden Schwesternglocken (760kg) ergänzte die neue Glocke mit ihrem gis das h der Christkönigsglocke von 1473 und das cis der eisernen Glocke von 1919 zu einem klangvollen Laudamusgeläut. Den bildnerischen Schmuck auf dem Glockenmantel in Gestalt eines Flachreliefs entwarf die Greizer Bildhauerin Elly Viola Nahmmacher. 1966 wurde die barocke Turmhaube durch ein Zeltdach ersetzt. 1994 erhielt die Kirche ein neues Dach und 1998 wurde der Außenputz erneuert. Am 30.09.1978 erfolgte die Grundsteinlegung für das Gemeindehaus Gera - Lusan, neben dem 1958 erbauten Pfarrhaus. Pfarrer zu dieser Zeit waren Peter Denner und Roland Geipel.
27.11.1958 Gerd Meixner geboren
ls Gerd Meixner zum Ende der 1950er Jahre in Gera zur Welt kam, war die DDR in der er aufwachsen sollte noch keine 10 Jahre alt. Später, als freischaffender Tontechniker in der Stadt tätig, wurde sein Interesse an der Politik und der Veränderung der Gesellschaft so stark, dass er sich in der Zeit der politischen Wende in Gera für die neue Bürgerbewegung engagierte. Er wurde an der Seite des bekannten Geraer Pfarrers Roland Geipel einer der wichtigsten Wende-Protagonisten und maßgeblich an der Auflösung der Staatssicherheit in Gera beteiligt. Von 1989-1990 gehörte er dem Auflösungsstab in Gera mit an. Durch den Einsatz von mutigen Geraern wie ihm war der Wind der Veränderung durch alle Gesellschaftsräume geströmt und hatte der Freiheit im Osten Deutschland endgültig den Weg geebnet.
25.11.1981 Politisch brisante Aufnäher
n diesem Tag verteilten der Pfarrer Roland Geipel und der Kaplan Michael Wyppler im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes in Gera 150 Stück der Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen". Die Verteilung der Aufnäher durch die Kirche führte dazu, dass deren Träger sich in eine direkte Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt über das Friedensengagement des Staates DDR begaben. Dabei forderten sie nur ein, was ihnen permanent versprochen wurde, nämlich Abrüstung. Das Ergebnis der Aktion war als "ernüchternd" zu bezeichnen, denn es kam in der Folge bei den Trägern des Aufnähers zu Auflösungen von Lehrverträgen, Maßregelungen am Arbeitsplatz, dem Einfordern von schriftlichen Bekenntnissen zur DDR und zur NVA (Nationale Volksarmee), Zuführungen zur Polizei und dem gewaltsamen Abtrennen der brisanten Aufnäher von den Jacken der beteiligten.
03.1982 Repressalien gegen die Friedensbewegung
ie Geraer Geistlichen Pfarrer Roland Geipel und Kaplan Michale Wyppler hatten im Jahr 1981 Aufnäher mit dem brisanten Aufdruck "Schwerter zu Pflugscharen" verteilt und damit massive Gegenwehr der DDR-Machthaber provoziert. Die beiden unbeugsamen Männer unternahmen ab dem März 1982 den Versuch, den einsetzenden Repressalien entgegenzutreten und wurden mehrfach beim Referat für Kirchenfragen vorstellig. Auch diese Maßnahme war zum Scheitern verurteilt, da der evangelische Pfarrer Geipel durch die Amtskirche keinerlei Unterstützung erfuhr und der katholische Geistliche Michael Wyppler nicht befugt war, mit staatlichen Stellen Gespräche zu führen. Das Grundproblem im Jahr 1982 bestand dann darin, 16 Jugendliche der Justiz in Gera zuzuführen, was aber schlussendlich durchgesetzt wurde. Diese "Zuführung" verfehlte ihre Wirkung nicht, denn nach dem ökumenischen Gottesdienst am 16. November 1982 zum Abschluss der Friedensdekade verblieben etwa 50 Teilnehmer in der Trinitatiskirche, um die entstandene Situation zu diskutieren. Erstmals wurde hier der Vorschlag unterbreitet, die Demonstrationen abzusagen und stattdessen einen Gottesdienst abzuhalten.
26.10.1989 Interview mit Pfarrer Roland Geipel
m 21.07.2005 erinnerte sich der Geraer Pfarrer Roland Geipel in einem Interview an den Tag im Oktober 1989 mit folgenden Worten: "Die Forderung nach Auslösung der Staatssicherheit formieren sich während der Friedensgebete. Es waren insbesondere Vertreter des Neuen Forum und des Demokratischen Aufbruchs, die die Auflösung der Staatssicherheit fordern. Die Vertreter der Kirchen und der Bürgerbewegung ermutigten die Bürger während der Friedensgebete das Wort zu ergreifen und lösten somit "Zeugnisse der Betroffenheit" aus. Daraus entwickeln immer mehr Menschen den Mut, die Auflösung der Staatssicherheit verbal oder auf Transparenten zu Fordern." [Quelle GA Gera Interview Roland Geipel 21.7.2005]
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04.12.1989 Zwei Fernschreiben vom Mielke-Nachfolger
n diesem Tag um 16.45 Uhr trafen beim Leiter des Bezirksamtes Gera der Staatssicherheit zwei Fernschreiben vom Nachfolger des Ex-Stasi-Chef Erich Mielke Wolfgang Schwanitz (geb.1930) aus Berlin ein. Im ersten hieß es: "Ab sofort ist jegliche Vernichtung (...) von dienstlichen Unterlagen zu stoppen", das zweite begann mit den Sätzen: "Am heutigen Tag drang eine große Menschenmenge in das BA Erfurt ein. Weitere Objekte sind bedroht. Die Situation ist nicht mehr zu bereinigen".

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13.12.1989 Ein besonderer Umgang war zu regeln
ie Auflösung des ehemaligen "Betriebsteils" der Stasi in Gera war nicht einfach, besonders der Umgang mit brisantem Material war zu regeln, da der Geheimdienst seinem Namen gerecht werden musste. So vermerkte der Geraer Pfarrer Roland Geipel an diesem Tag: "Bei der Besichtigung im Hauptarchiv diskutierten wir darüber, ob es sinnvoll ist die IM-Akten zu vernichten. Michael Trostorff (neuer und letzter Geheimdienst-Chef in Gera) stellte dar, dass diese Akten brisantes Material beinhalten und deren Veröffentlichung das Leben der IM (Inoffizielle Mitarbeiter) gefährden würde. Empfohlen wurde, dass für die Strafakten ein besonderer Umgang zu regeln ist."[Quelle GA Gera Interview Roland Geipel 21.07.2005]
20.12.1989 Das Geraer Bürgerkomitee wurde zum Sonderfall
n diesem Tag war es soweit. Das Bürgerkomitee des Bezirk Gera konstituierte sich. Im Gegensatz zu den anderen Bürgerkomitees, welch Anfang Dezember aus den Demonstrationen oder der Stasi-Zentralen-Besetzung hervor gegangen waren, setzte sich das Geraer Bürgerkomitee repräsentativ zusammen. Jede Partei oder politische Gruppierung entsandt zwei ihrer Vertreter in das Bürgerkomitee. Die evangelische Kirche war mit drei Personen, Jörn Mothes, Diethard Kamm und Roland Geipel, vertreten. Dennoch stellten die alten Blockparteien, einschließlich der SED-PDS, die Mehrheit. Diese hielten nichts davon, die Stasi-Kontrolle in Stasi-Gelände wahrzunehmen. Ihnen reichte es aus, sich einmal wöchentlich vom Chef des Amtes für Nationale Sicherheit (Nasi) einen Bericht über den Stand der Stasi-Auflösung geben zu lassen.
1990 Ein Protestant bei den Katholiken
er evangelische Pfarrer der Gemeinde St. Ursula in Gera Lusan, Oberpfarrer Roland Geipel (geb. 1939), aktiver Pfarrer bei der Besetzung der Stasi-Zentrale in Gera in der Hermann-Drechsler-Straße während der friedlichen Revolution und Vorsitzender des Geraer Bürgerkomitees, hielt einen Gemeindeabend in der katholischen "Elisabethgemeinde" zum Thema: "Mit Verletzungen leben, die Fähigkeit mit der Stasi-Vergangenheit umzugehen".
04.01.1990 Pfarrer Geipel und der Sturm auf die Stasi
er Geraer Pfarrer Roland Geipel war einer der intelligentesten Akteure der friedlichen Revolution der DDR in Gera. Klar war er für Aufklärung, aber das sollte friedlich geschehen. Wie sein Kollege aus Leipzig, Pfarrer Führer, bemühte sich Geipel um Gelassenheit. Auch als man in Gera an diesem Tag die ehemalige Stasi-Zentrale stürmen wollte, da einige Demonstranten ihre Stasi-Akten einsehen wollten, griff er ein, verhinderte Schlimmeres und wurde wieder zum Friedensstifter in der Stadt. Später berichtete er, dass er in dem Moment große Angst hatte, aber damit auch eine Zeit des intensiven Aufarbeitens zum Thema Stasi einleiten konnte. 2009 War Roland Geipel (70 Jahre alt ) Oberpfarrer im Ruhestand.
04.01.1990 Ein Waffenkammer von innen
oland Geipel, evangelischer Pfarrer in Gera/Lusan und Vertreter der Evangelisch-Lutheranischen Kirche im Bürgerkomitee, war einer der Aktivposten bei der Auflösung der Staatssicherheit in Gera. Zu Beginn des Jahres 1990 war Gera neben Chemnitz die einzige Bezirksstadt in der DDR, in der die Stasi-Auflösung noch nicht permanent von einem innerhalb der Stasi-Gebäude arbeitenden Bürgerkomitee kontrolliert wurde. Dieser Makel wurde nun beseitigt und so kam es, das Pfarrer Roland Geipel zusammen mit einem dafür abgestellten Volkspolizisten eine der 22 Waffenkammern der Staatssicherheit in der Hermann-Drechsler-Straße besichtigte. Kurz zuvor war die Stasi-Zentrale beinahe von einer aufgebrachten Menschenmenge gestürmt worden, was aber unter anderem der Geraer Pfarrer Geipel verhindert hatte. Es wäre fatal gewesen, wenn die Waffen unbefugten Demonstranten in die Hände geraten wären.
05.01.1990 Dramatische Nachtstunden in Gera
inige Stunden nachdem ein gewaltsames Eindringen von Demonstranten in die Stasi-Zentrale verhindert werden konnte, strömten etwa 40 Menschen durch das vordere Tor der Zentrale. Unter ihnen war auch der Bürgerrechtler Roland Jahn mit einem Kamera-Team und einigen Gleichgesinnten aus Jena. Auch sie wollten das Gelände besetzen. In einem Seitengebäude wurden sie zu einem Gespräch empfangen, zudem später auch Roland Geipel stieß. Roland Jahn wurde nicht vorgelassen, da er Bundesbürger sei. (Man hatte ihn vor Jahren aus der DDR ausgewiesen) Nach heftigen Diskussionen zu später Stunde wurde Pfarrer Geipel mit zwei weiteren Leuten ausgewählt, um die Waffenkammern der Stasi zu besichtigen und um den Bestand zu vermerken. In dieser Nacht kam es noch nicht zu einer dauerhaften Besetzung der Zentrale.
05.01.1990 Wie die Geraer die Stasi besetzten
om 5. auf den 6. Januar vor 20 Jahren hatten mutige Menschen die Geraer Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit besetzt. es musste korrekterweise als das "Amt für nationale Sicherheit in Auflösung", wie die Stasi von der Modrow-Regierung benannt wurde, bezeichnet. Die Nacht vom Freitag auf den Sonnabend war bewusst gewählt worden. In jener Nacht war kein normaler Dienstbetrieb, die Behörde in der Hermann-Drechsler-Straße nicht vollbesetzt. Und so zog das Bürgerkomitee ein. Gera war eine der letzten Städte, in denen Bürger die Stasi-Behörde besetzten. Untätigkeit wollten sich die Geraer nicht vorwerfen lassen. Erste Kontrollen gab es im schon Ende 1989. Am 14. Dezember 1989 hatte sich das Bürgerkomitee gegen die Vernichtung der Akten ausgesprochen, gestärkt von Berichten, die Michael Beleites, später Sachsens Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, aus Dresden und anderen Städten mitgebracht hatte. Beleites war es auch, der letztlich den Anstoß für den friedlichen Stasi-Sturm gab. "Wir hielten Friedensgebet in der Johanniskirche, als mir ein Zettel gereicht wurde", sagte Pfarrer Geipel. Beleites hatte aus Leipzig angerufen, er ließ ausrichten: "Stasi besetzen". Die anschließende Friedensdemo führte das erste Mal zur Stasi-Zentrale, ein gewaltsames Eindringen, aufgeputscht von den Emotionen des Moments, wurde verhindert. Das Bürgerkomitee wählte taktisch klug lieber den Sonnabend. Während Rolf Buchner und Roland Geipel den Abtransport der Waffen überwachten, Handpistolen, automatische Waffen, Panzerfäuste, stiegen Michael Beleites, Jörn Mothes und Bernd Bergner hinauf in die achte Etage, die Leitungsebene. Dass auch eine gehörige Portion Unsicherheit zu jenen Tagen gehörte, offenbart Reinhard Keßler, der später in der Stasi-Aufarbeitungsbehörde arbeitet. Er verlas ein Telegramm, das am 9. Dezember 1989 von Gera an die DDR-Machtzentren in Berlin gegangen war: Ein Putsch-Aufruf. "Diese Leute waren nicht reformierbar", schätzte Andreas Bley ein. Es gab viele Anhaltspunkte, dass in Gera auch nach Maueröffnung so weiter gearbeitet wurde wie bisher. Der 6. Januar 1990 war Zäsur und Auftakt zugleich, waren sich die Akteure überzeugt. Erst als das Stasi-Unterlagen-Gesetz in Kraft trat, waren die Akten sicher. Was weiter mit ihnen passierte, wie sie aufgearbeitet und verwahrt wurden, blieb eine Aufgabe für Generationen. Der Militärstaatsanwalt hatte die Zimmer mit Pflaster versiegelt.
08.01.1990 Entwaffnung und Putsch-Absichten
ährend Pfarrer Roland Geipel an jenem ersten Tag der kontrollierten Auflösung der Staatssicherheit die immer noch laufenden Waffenauslagerungen begleitete, bemühte sich im Gegenzug Michael Beleites darum, die Aufgaben zwischen den einzelnen Gruppen bei den Zimmerräumungen, dem Waffenabtransport und dem Büro des Bürgerkomitees zu koordinieren. Als er sich am späten Vormittag zur zentralen Waffenkammer begab, um sich zu erkundigen, wann die Bürgervertreter abgelöst werden müssten, bot sich ihn folgendes Bild.
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01.03.1990 Michael Trostorff´s billige Spielchen
ichael Trostorff, letzter Geraer Stasi-Chef, war naturgemäß nicht so wirklich gesprächsbereit, wenn es um die Einsicht in Stasi-Akten ging. Aus einem Interview mit Wolfgang Thalmann von 2005 war demnach zu entnehmen: "Es bedurfte langer Diskussionen, bis Herr Trostorff einen Einblick in personenbezogene Akten stattgab, und es war ein Spielchen von ihm, dass nur Michael Beleites (Präparator, Mitbegründer der DDR Umweltbewegung und Vertreter des Neuen Forums im Bürgerkomitee, Anm. der Chronik-Redaktion) und Roland Geipel (Pfarrer in Gera, Anm. der Chronik-Redaktion) in ihre Stasi-Akten sehen durften."
01.03.1990 Akteneinsicht für alle
n diesem Tag schrieben der evangelische Pfarrer Roland Geipel und Michael Beleites, beides Vertreter und Mitbegründer des Geraer Bürgerkomitees einen "Vorschlag zur Vorgehensweise mit personenbezogenen Aktenmaterialien des ehemaligen MfS" (Staatssicherheit), für die Berliner Koordinierungsgruppe der Bürgerkomitees und den Runden Tisch. Darin hieß es , betroffenen Personen "muss eine vollständige Einsichtnahme in ihre personenbezogenen Akten gewährt werden." (Die Aktenberge waren aber so hoch, dass es Jahre in Anspruch nehmen wird, um das zu gewährleisten.)
01.03.1990 Was steht denn in einer Stasi-Akte?
ange genug hatte das Geraer Bürgerkomitee die Stasi-Akten gesichert und über deren Verbleib diskutiert, ohne wirklich genau zu wissen, was denn überhaupt in einer solchen Akte steht und vermerkt ist. Nun wollten die Mitglieder des Bürgerkomitees endlich einmal in Stasi-Akten hinein sehen, und zwar nur in die eigenen Akten, die konnten sie am besten nachvollziehen. Nur so konnte es möglich sein, den Charakter solcher Akten tatsächlich zu beurteilen. Nach langen Verhandlungen gab der Regierungsbeauftragte für den Bezirk Gera, Norbert Kobus, schließlich seine Zustimmung, dass zumindest Michael Beleites und Roland Geipel ihre Stasi-Akten im Beisein von Michael Trostorff und ihm selbst einsehen durften.
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10.04.1990 Beratung im Geraer Bürgerkomitee
ilfried Schulz, 1989 Mitarbeiter in der Zivilverteidigung beim Rat des Bezirkes Gera, wurde vom Bürgerkomitee als Leiter Arbeitsstabes bestätigt. Weiterhin wurden in den Arbeitsstab Andreas Bley, Gerd Meixner und Reinhard Keßler aufgenommen. Außerdem wurde eine Untersuchungsgruppe im Bürgerkomitee gegründet, um die Arbeit des Ministerium für Staatssicherheit bewerten zu können. Mitglieder dieser Untersuchungsgruppe wurden Pfarrer Roland Geipel, Michael Beleites, Andreas Schmidt, Silvio Nitschke, Reinhard Keßler und Andreas Bley. [Quelle Gedenkstätte Amthordurchgang GA Gera]
02.05.1990 Kerstin Wiesner und die Macht des BK
m 9. August 2005 erinnerte sich Kerstin Wiesner mit folgenden Worten an diesen Tag: "Also im Nachgang betrachtet, glaube ich, dass das BK (Bürgerkomitee) eine große Macht hatte. Ich erinnere mich, wie ich mit Roland Geipel zur Polizei gegangen bin. Wir haben gesagt. ´das machen Sie jetzt nicht´und wir haben uns durchgesetzt. Wir hatten schon einen großen Einfluss. Und das, was Leute wie Roland Geipel und Andreas Schmidt gesagt haben, hatte Gewicht." (Roland Geipel war zu dieser Zeit evangelischer Pfarrer und Andreas Schmidt arbeitete als Sonderpädagoge)
03.05.1990 Gerd Meixner und die Maurer
er Tontechniker und Mitglied des BK Gerd Meixner erinnerte sich zum Thema Stasi-Auflösung am 4. November 2005 an folgendes: "Es waren immer viele Leute im Archiv gewesen. Es waren Leute des BK (Bürgerkomitee), also Michael Beleites und Roland Geipel, in den Archiven, aber auch Mitarbeiter des MfS (Stasi). Das hatte uns auch veranlasst die Akten einzumauern, weil wir gar keinen anderen Überblick hatten, wer da jetzt im Archiv ist und vielleicht noch Akten an sich nimmt. Von Seiten des BK hatte ich gemeinsam mit .... beschlossen, das Archiv endgültig zu sichern. So habe ich mir einen Auftrag von dem Chef des Rat des Bezirkes, Dr. Luck, ausstellen lassen, in dem das Archiv einseitig von der Firma ... zugemauert worden ist. Auf der anderen Seite wurden von der Firma Stahlbau ... Gitter angefertigt und die drei Schlösser angebracht. Jeweils das BDVP (Bezirksdirektion Volkspolizei), die StA (Staatsanwaltschaft) und das BK erhielten einen Schlüssel, so dass fortan nur noch die Möglichkeit bestand, dass diese drei Partner gemeinschaftlich das Archiv öffnen konnten"

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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