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17.06.1953 Eine Übersicht des Aufstandes
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EREIGNIS-ÜBERSICHTEN
 
25. Anfänge der Ereignisse im Bezirk Gera (17. Juni)

17. 6. 1953 – 8.30 Uhr in Jena ca. 20. 000 Demonstranten, ca.
13.500 Streikende
Soziale Zusammensetzung: ca. 90 % Arbeiter, die restlichen
10 % setzen sich zusammen aus Angestellten, Hausfrauen
und Bürgerliche.

17. 6. 1953 – 10.30 Uhr in Gera ca. 7.000 Demonstranten, ca.
6.500 Streikende
Soziale Zusammensetzung: ca. 90 % Arbeiter, restliche 10 %
unterteilen sich in Angestellte, Hausfrauen und Bürgerliche.

17. 6. 1953 – 16.30 Uhr in Weida ca. 1.000 Demonstranten, ca.
1.000 Streikende
Soziale Zusammensetzung: 95 % Arbeiter, die restlichen 5 %
sind Handwerker und Bürgerliche.

17. 6. 1953 – 16.40 Uhr in Camburg: ca. 800 bis 1.000 Demonstranten,
ca. 300 Streikende
Soziale Zusammensetzung: Vorwiegend Arbeiter.

Jena:

17. 6. 1953 – 10.55 Uhr
ca. 1.500 Demonstranten erschienen vor der U-Haftanstalt,
drangen mit Gewalt in diese ein und befreiten ca . 70 Häftlinge.
12.10 Uhr
demolierten in den einzelnen Abteilungen des VEB Zeiß Jena
die Arbeiter ihre Maschinen.
12.50 Uhr
Anschließend zogen diese Demonstranten vor das VPKA
Jena, schlugen die Fensterscheiben ein und zertrümmerten
mit Steinen die Klapptür des Eingangs.
Von dort aus zogen die Provokateure nach dem Marktplatz,
wo sie 2 Zivilisten gefesselt auf der Bühne des Marktplatzes
zur Schau stellten.

Gera:

17. 6. 1953 – 11.00 Uhr
Die Demonstranten drückten die  Tore des Kondensatorenwerkes (VEB)
in der Neuen Straße in Gera ein und forderten
die Arbeiter auf mit zu demonstrieren.
11.45 Uhr
ca. 1.000 Demonstranten erscheinen vor der U-Haftanstalt
Gera, Greizer Str. und forderten die Freilassung der Häftlinge.
12.08 Uhr
Die Demonstranten vor der U-Haftanstalt versuchen in diese
einzudringen und werfen die Fenster ein.
12.20 Uhr
Das Außentor der Haftanstalt wurde aufgebrochen und die
Demonstranten gelangten in den Hof derselben.
Am Tor der Haftanstalt, Amthorstr. erschien ein Kipper der
Wismut (Fahrer war Heinz Beutner) und versuchte durch Rückwärtsfahren das  Tor derselben einzufahren.
Hunderte von Demonstranten zogen vor die SED-Kreisleitung und rissen die Sichtagitation herunter.
Unter lautem Gegröhle versuchten sie in die Gebäude selbst einzudringen,
was ihnen aber nicht gelang.
16.10 Uhr
Nach Meldung der Wismut-K-, Gera, befinden sich 34 LKW
und KOM, besetzt mit Wismut-Arbeitern unter der Losung
„Nieder mit der Regierung!“ und „40 % HO-Preissenkung!“
auf der Fahrt nach Gera von Culmitsch (Culmitzsch, Mitte
der 60er Jahre eingeebnet) kommend.
16.30 Uhr
rotten sich etwa 200 Arbeiter, in der Mehrzahl Wismut-Kumpels, zusammen.
Diese begaben sich in das VEB  Veredlungswerk
Weida und löschten die Feuer der Kessel.
17.00 Uhr
Demonstrierende  Wismut-Kumpels schlagen die Fensterscheiben des
Hauptpostamtes Gera ein und versuchen in das
Gebäude einzudringen. Ein eingesetzter Mannschaftswagen
der KVP wurde umgekippt und verschiedenen Angehörigen
der KVP die Waffen entwendet. Ein Eindringen in das Postamt wurde verhindert.
17. 6. 1953 – 17.00 Uhr
Die Wismut-Kumpels reißen Transparente in der Burgstraße,
Thälmannstraße, Kfz.Staffel der Volkspolizei und Haus der
Freundschaft ab. Ebenfalls wurden Fenster eingeschlagen
und zum  Teil Inneneinrichtungen zerschlagen.
18.30 Uhr
Zwei Soldaten der Roten der Armee wurden auf dem Platz
der Republik von  Wismut-Arbeitern umstellt und bedroht. Es
fielen Schüsse. Es handelt sich um ca. 200 Demonstranten.
18.50 Uhr
ca. 200  Wismut-Kumpels sind mit LKW’s auf dem Marktplatz in
Ronneburg erschienen und demonstrieren unter der
Losung „Nieder mit der Regierung, Herabsetzung der Normen und Preissenkung in der HO!“
18.55 Uhr
erscheinen ca. 200  Wismut-Kumpels auf LKW’s in Wünschendorf,
demolieren eine HO-Gaststätte und forderten die
Arbeiter des Dolomitwerkes auf die Arbeit niederzulegen.
19.00 Uhr
erschienen ca. 800 Demonstranten in der Hauptsache Wismut-Arbeiter vor dem
VP-Revier in Weida um dieses zu stürmen.
Vorher demolierten sie verschiedene HO-Gaststätten.

Camburg:

17. 6. 1953 – 16.40 Uhr
wurden die Akten der Bezirksjugendschule Camburg ausgeräumt von Provokateuren.
17.20 Uhr
wurde das Revier Camburg von Provokateuren und Demonstranten angegriffen.
Sämtliche VP-Angehörigen wurden ge-zwungen die Schulterstücke abzunehmen.
Die Bücher wurden verbrannt. Der VP-Mstr. Gotte wurde mit zu seiner
Wohnung genommen, wo die Bevölkerung eine Hausdurchsuchung vornahm und alle Bücher verbrannte.

Greiz:

Am 17. Juni 1953 gegen 08.00 Uhr
wurde im VEB  T extilveredlungswerk  Werk III in Greiz an
der  Wandzeitung die Losung angebracht: „Wir erklären uns
solidarisch mit den Berliner Ostarbeitern!“ Weiterhin wurde
von den Färbern (AAA) und (BBB), die als negierende Elemente im Betrieb bekannt sind, Lohnerhöhungen und bessere
Arbeitsbedingungen gefordert. Durch das Eingreifen der Partei kam es nicht zur Arbeitsniederlegung,
und es fand ebenfalls keine Demonstration statt.
Am 17. Juni 1953 gegen 15.00 Uhr
setzten sich ca. 40 Fahrzeuge der  Wismut von Culmitsch
(Culmitzsch), Kreis Greiz nach Gera in Bewegung. Ein
Fahrzeug war mit der Losung: „Freiheit, nieder mit der
Regierung!“ beschriftet. Kennzeichen: P 30 – 11. Fahrer: (CCC).

Rudolstadt:

Am 17. Juni 1953 gegen 10.00 Uhr
waren die ersten Anzeichen der Unruhe im VEB  Werkin
Königsee, Kreis Rudolstadt und bei der Bau-Union Jena,
Baustelle Kunstfaserwerk „Wilhelm Pieck“ Schwarza, zu
verzeichnen. Im VEB  Werkin war die Hauptursache zur
Arbeitsniederlegung, dass am 17. 6. 1953 bei Arbeitsbeginn
an die  Werktätigen Zettel mit neu festgelegten Normen
ausgegeben worden sind. In der Bau-Union Jena, Baustelle
Schwarza waren ebenfalls die Diskussionen um die Normen
die Hauptursache zu der kurzfristigen Arbeitsniederlegung.
Die BPO des Kunstfaserwerkes Wilhelm-Pieck setzte Agitatoren ein,
so dass nach kurzer Zeit die Arbeitsniederlegung
behoben war .

Eisenberg:

Gegen 11.00 Uhr,
vermutlich nach dem Bekanntwerden der  V orkommnisse in
Jena, wurde in der Schlosserei des volkseigenen Betriebes
Schamotte-Werk Eisenberg eine Streikleitung gebildet.
Initiator bei der Bildung dieser Streikleitung war der ehemalige
Genosse (DDD). Besonders aktiv betätigten sich weiterhin
die Arbeiter (EEE) und (FFF).
Etwas (Etwa) gegen 11.30 Uhr
formierten sich in der Furniererei des VEB Möbel und Etuis
Eisenberg ca. 30 Arbeiter und erklärten sich mit den Kollegen
in Jena solidarisch.
Weiterhin forderten gegen 14.00 Uhr
einige Arbeiter des Stahlwerkes Silbitz, Kreis Eisenberg eine
Belegschaftsversammlung. Etwa gegen 14.00 Uhr marschierten die
Belegschaftsmitglieder VEB Schamotte  Werk I zum
Werk II, von hier aus geschlossen zum VEB Sanar, dessen
Arbeiter sich ebenfalls dem Demonstrationszug anschlossen.
Die Arbeiter des Stahlwerkes Silbitz stellten am 17. Juni
1953 gegen 15.00 Uhr die Arbeit ein und besetzten einige
wichtige Objekte, wie Pumpstation,  Telefonzentrale und
Raum der Parteileitung durch Streikposten.

Stadtroda:

Am 17. Juni 1953 gegen 14.00 Uhr
versuchten ca. 200 Personen, welche aus Jena kamen, in den
VEB Möbelfabrik Stadtroda einzudringen, um dort die
Arbeiter zum Streik und zur Demonstration aufzurufen.
Durch das Einschreiten des Betriebsleiters Genossen Staps,
sowie der BPO wurde die Menge zerteilt und aus dem
Betriebsgelände hinausgeworfen.
Weiterhin organisierte der in den Morgenstunden des 17. Juni
1953 entlassene ehemalige VP-Angehörige (GGG) eine Bande von 7 Mitgliedern, welche das
FDGB Ferienheim Neumühle stürmten und dort großen Schaden anrichteten.
[(GGG) wurde auf Grund der Republikflucht seines Schwa-gers am 17. Juni 1953 aus der VPentlassen.]

Pössneck:

Am 18. Juni 1953 gegen 05.30 Uhr
legten im VEB WMW Pressformenbau Triptis 120 Arbeiter
die Arbeit nieder und es bildete sich ein Streikkomitee, welches abgestimmt hatte,
dass sie sich mit den Berliner Arbeitern solidarisch erklären.
Eine Delegation von 3 Arbeitern begab sich zum VEB IFA
Lenkgetriebe-Werk und wollte hier ebenfalls die dort beschäftigten Arbeiter zum Streik auffordern.
Die Arbeiter des IFA Lenkgetriebe-Werkes erklärten sich
jedoch nicht zum Streik bereit.

(Aus der Analyse der BDVPGera über den 17. Juni im Bezirk,
o. D. – ThStARud., BDVPGera, 21, Nr. 026, Bl. 161ff.)

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18.01.2015
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