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1200 Das Schloß Osterstein
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Der Grundstein für das bekannte Geraer Wahrzeichen wurde etwa um 1200 gelegt. Erstmals erwähnt wurde es im Jahr 1581. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es nahezu zerstört und 1946ist es dem fast völligen Abriß zum Opfer gefallen.

Die Geschichte des Schloß Osterstein

Auf dem Gelände einer Wallanlage entstand um 1200 die später  "Osterstein" genannte Elsterburg auf dem Bergsporn des 230 Meter hohen Hainberges.
Nach der Vollständigen Zerstörung der Stadt im sächsischen Bruderkrieg von 1450 verlegten die Vögte von Weida ihren Regierungssitz von der ebenfalls zerstörten Stadtburg auf den Osterstein.
Im Jahr 1564 übernahm Graf Heirich der jüngere (er ist der Begründer der jüngeren Linie  Reuß) das Schloß und begann mit Baumaßnahmen, welche letzendlich bis ins 19. Jahrhundert andauerten.
Das Schloß wurde am Ende des 19.Jahrunderts und bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges von Soldaten des siebten thüringischen Infanterieregimentes No.96 bewacht. Für die Schloßwache war ein eigenes Gebäude errichtet worden.
Das Fürstentum Reuß jüngere Linie wurde 1848 gegründet (Erst 1848 nannten sich Reußen jüngere Linie Fürsten) und Gera zur neuen Residenz- und Hauptstadt benannt.
Zu dieser Zeit begann ein erneuter Um- und Ausbau des Schlosses, der 1913 durch Heirich XXVII (1858-1928), den letzten regierenden Fürsten auf Schloß Osterstein, seinen Abschluß fand.
Mit der Novemberrevolution von 1918 ging das Schloß Osterstein in Staatseigentum über. Das Schloß blieb aber der Wohnsitz der Fürstenfamilie von Reuß.
Am 6.April 1945 wurde Gera bei einem verheerenden Bombenangriff großteils zerstört. Auch das Schloß Osterstein wurde stark in Mitleidenschaft gezogen und brannte dadurch fast vollständig aus. Diese Zerstörung traf Gera und das Schloß nur wenige Tage vor dem Eintreffen amerikanischer Besatzungstruppen in der Stadt.
Im Jahr 1962 wurden Teile des Schloßgarten gesprengt und die letzten Ruinen wurden in den Jahren 1963 und 1964 abgetragen und die Kellerräume mit Bauschutt verfüllt.
In den Zeiten der DDR war auf dem Gelände des einstmals weiträumigen Schlosses ein großes Terassencafé angelegt worden und wurde zum beliebten Ausflugslokal für die Geraer und Gäste der Stadt. Oberhalb des Schloßgeländes, mitten im Stadtwald, befindet sich noch heute eine der bekanntesten Lokalitäten von Gera,"der Jagdhof".

Chronik von Schloß Osterstein

1125
In einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert von Mainz, das St Petri Kloster betreffend, wird ein Luph von Gera genannt.

1148
Ein Siebert von Gehra wird in einer Urkunde der Äbtissin Beatrix von Quedlinburg über die Gründung des Klosters Michaelstein bei Blankenburg im Harz als Zeuge genannt. Diese Edlen von Gera übten vermutlich als Quedlinburger Stiftsvögte die Verwaltung und hohe Gerichtsbarkeit über das Geraer Gebiet aus. Sie errichteten auf dem Hainberg im Gelände einer jungbronzezeitlichen Burgwallanlage eine Burg. Aus dieser Zeit stammt der noch erhaltene romanische Bergfried.

1180
Die Vögte von Weida, ein welfisches Ministerialengeschlecht aus der Gegend um Mühlhausen, übernehmen im Gebiet der mittleren und oberen Weißen Elster die Verwaltung von Reichsgut und lösen die Edlen von Gera als Quedlinburger Stiftsvögte ab.

1200
Da die Elsterburg, der spätere Osterstein, auf landgräflich- thüringischem Gebiet lag, errichteten die Vögte von Weida rechts der Elster, auf Quedlinburger Stiftsgebiet, eine neue Burg im Gebiet der Burgstraße, Florian Geyer Straße und Stadtgraben.

1234
Ob sich die in einer Urkunde genannte „Kapelle im Schloß Gera“ im Stadtschloß oder auf dem Osterstein befunden hat, lässt sich nicht sicher feststellen. Das die Schlosskapelle auf dem Osterstein zu dieser Zeit aber schon bestanden hat, lässt sich daraus schließen, dass sie dem heiligen Georg, dem Schutzpatron vieler Kirchen in slawischem Gebiet, geweiht war.

1450
Eine Sage berichtet, dass der Ritter Hans von Söllmnitz während der Belagerung der Stadt Gera den Osterstein erfolgreich gegen die Heere des Herzogs Wilhelm des Stolzen von Thüringen und Georg Podiebrad von Böhmen verteidigt habe. Nach der vollständigen Zerstörung Geras im sächsischen Bruderkrieg am 18. Oktober 1450 verlegen die Herren von Gera die Residenz vom Stadtschloß auf den Osterstein.

1470
Ein zuletzt, an der Hofseite des hinteren Tores im oberen Schloßhof angebrachter Wappenstein mit Inschrift, bezeugt Bautätigkeit am Schloß.

1515
Eine steinerne Türeinfassung mit der Inschrift „ANNO DOMINI M.D.X.V.“ und Steinmetzzeichen belegt weitere Bauarbeiten am Schloß.
(Im heutigen Stadtmuseum zu besichtigen)

1526
Unter dem Eindruck der Ereignisse des Bauerkrieges von 1525 lässt Heinrich der Ältere von Gera die Mauern des Osterstein verstärken und in einem Eckturm südöstlich des Bergfrieds einen Stein mit der Inschrift“1.5.26 das negst jar nachm paurnkrig“ einfügen.

1550
Mit dem Tode Heinrichs des Jüngeren sterben die Herren von Gera aus.

1562
Stadt und Herrschaft Gera geht an die Herren Reuß von Plauen aus dem Hause Greiz über.

1562 und 1563
Schneeberger Bergleute verlegen eine Wasserleitung von Ernsee über die Wolfsbrücke ins Schloß. Sie wird bis 1899 genutzt.

1564
Heinrich der Jüngere (1530 bis 1572), der Begründer der jüngeren Linie Reuß, erhält in der reußischen Landesteilung Stadt und Herrschaft Gera zugesprochen. Er beginnt im östlichen Teil des Nordflügels mit dem Ausbau des Ostersteins zur Residenz.

1578
Durch seinen unter Vormundschaft stehenden Sohn Heinrich Posthumus (1572 bis 1635) wird der Bau des Ostflügels begonnen.

1581
Der Name „Osterstein“ wird zum erstenmal in der Meißnischen Land- und Bergchronik des Petrus Albinus genannt. Er erinnert an das ehemalige „Osterland“ das Kolonisationsland östlich der Saale. Bis dahin wurde das Schloß nur als das „Haus“ oder „Schloß auf dem Berge vor der Stadt Gera“ bezeichnet.

1595
Der Baumeister Kurt Steiner aus Naumburg wird mit dem Umbau der Schloßkirche und der großen Hofstube (dem späteren Ahnensaal) beauftragt. Die wohl ursprünglich freistehende Schlosskapelle wird in den Nordflügel einbezogen.

1598
Die alte Kanzlei auf dem Schloß wird durch ein neues Gebäude ersetzt.

1604
Das Tor bei der Wolfsbrücke wird erneuert. Der ursprüngliche Steinhelm des Bergfrieds wird durch eine barocke Holzkuppel ersetzt. Auf dem Turm werden eine Uhr und drei Glocken (von 1602, 1604 und 1606) angebracht.

1611
Der Graben, der die Vorburg von der eigentlichen Burg trennte, wird eingeebnet und Teil des unteren Schlosshofes.

1611 bis 1613
Der Ostteil des Nordflügels wird unter Heinrich Posthumus vollendet.

1666
Heinrich II. (1602 bis 1670) vollendet den Bau des an den Nordflügel anstoßenden Ostflügels. 921 Untertanen aus den umliegenden Dörfern, unter ihnen 120 Pferdebauern, leisten dazu Frondienste.

1702 bis 1721
Heinrich XVIII. (1677 bis 1735) lässt die Dächer des Nord- und Ostflügels sowie die Etagen beider Flügel einander angleichen. Er errichtet die westliche Hälfte des Nordflügels sowie den Westflügel und bezieht den vorderen Torturm mit den beiden Rundturmanbauten als vorspringenden Mittelbau in die Fassadengestaltung des Nordflügels ein. Die Toreinfahrt in Rustikalgestaltung, mit Säulen, Gebälk und Dreiecksgiebeln, dessen Wappen Ende des 19. Jahrhundertserneuert wurde, ist noch erhalten. Das Haupttreppenhaus gegenüber der Schlosskirche im oberen Schlosshof entsteht ebenfalls in dieser Zeit. In ihm befand sich ein mechanischer Aufzug für Heinrich XVIII. , den ein schwerer Beinschaden am Treppensteigen hinderte.

1702
Heinrich XVIII. schreibt vier ganze Steuern aus, um die Mittel für den Schloßbau zu beschaffen.

1719 bis 1721
Karl Anton Castelli aus Erfurt und Samuel Nahl der Ältere, ein Gehilfe Schlüters in Berlin, gestaltet mehrere Zimmer im 3. Geschoß des Nordflügels und den Ahnensaal im Ostflügel mit Stuckaturen aus. Die Wände des Ahnensaals werden mit überlebensgroßen Bildnissen der Reuß- Geraer Grafen und Gräfinnen geschmückt.

1732
Das neue Schloßtor mit dem Torgebäude am unteren Schloßhof  wird fertiggestellt.

1751 und 1768
Heinrich XXX. (1727 bis 1802) lässt sich vom Landtag Bausteuern und Frondienste für den Schlossbau bewilligen und führt größere Reparaturen aus. Unter anderem lässt er den zweigeschossigen Marmorsaal an der Nordwestecke des Schloßes mit graubraunem thüringischem Marmor ausgestalten. Er dient als Ball- und Festsaal.

1802
Mit dem Tod des Grafen Heinrich XXX. stirbt das Haus Gera Reuß aus. Der Osterstein wird nur noch gelegentlich von den Mitregenten der Herrschaft Gera aufgesucht. Bis 1852 finden in der Schloßkirche keine Gottesdienste mehr statt.

1806 bis 1815
Die dritte Etage des Nordflügels dient während der napoleonischen Kriege als Lazarett. Die hier verstorbenen preußischen Soldaten werden auf der Preußenwiese im Wolfsgarten, oberhalb der Wolfsbrücke, beerdigt. Die französischen Soldaten werden auf der Franzosenwiese am oberen Ende des Soldatenweges bestattet.
(Heute steht hier die Gaststätte „Jagdhof“)

22.10.1846
Bei Bauarbeiten stürzt nach Herausnehmen des Schlusssteins das Gewölbe der Schloßkapelle aus dem 15. Jahrhundert ein und reißt zwei Arbeiter vom Gerüst in die Tiefe, die aber mit dem Schrecken davon kommen. Die Kirche erhält eine Holzkassettendecke.

01.10.1848
Nach Abdankung des Fürsten Heinrich LXXII. Reuß- Lobenstein- Ebersdorf (1797 bis 1853) vereinigt das Haus Reuß- Schleiz alle Landesteile der jüngeren Linie zum Fürstentum Reuß jüngere Linie. Gera wird Haupt- und Residenzstadt.

1850
Errichtung der Schloßwache

1852
Im Bergfried, der nur über eine Holzbrücke vom Südbau, der alten Bastei, aus erreichbar war, wird das Gewölbe geöffnet und darunter ein 11,30 Meter tiefer Raum gefunden. Zu ebener Erde wird ein neuer Zugang durch die 4,20 Meter starke Mauer Gebrochen. In Höhe des alten Zugangs hat der Bergfried noch eine Stärke von 3,70 Meter.

1857
Fürst Heinrich LXVII. (1789 bis 1867) lässt den Fahrweg zum Osterstein und den daneben auf hoher Rampe zum Schloß hinaufführenden unteren Teil des Fußweges neu anlegen. Der Hohlweg unter der Wolfsbrücke wird vertieft und an den Seiten werden hohe Flankenmauern aufgeführt. Zu den umfangreichen Erdarbeiten werden die „Züchtlinge“ aus dem Zucht- und Waisenhaus in Gera herangezogen.
(1993 wurden diese Mauern erneuert)

1859
Der um 1470 und 1578 errichtete Südbau, in dem die Militärkammer untergebracht war, wird abgebrochen und durch einen Neubau mit den Gemächern der fürstlichen Familien ersetzt.

1861
Hinter dem Ostflügel erfolgt, anschließend die Kapelle und die Einbeziehung des alten Kommissions- und des Küchenhofes, ein Anbau mit Mitteltreppe und zwei Lichthöfen, um weitere Räume für Herrschaft und Diener zu gewinnen.

1862
Die Fassade des Ostbaus wird der des Südbaus angeglichen und erhält einen Erkeranbau.

1863
Das hintere Torhaus und der eigentliche Südflügel als Verbindung zum Südbau wird errichtet. Südlich des Bergfrieds wird ein neuer Rundturm angefügt. Die Wolfsbrücke wird erneuert. Sie erhält anstelle der Holzverkleidung eine Zinnbrüstung.

1864
Der Oberbau des Bergfrieds wird erneuert und mit Rundbogenfriesen verziert.

1868
Der Westflügel wird erneuert und das Hofmarschallamt in ihm untergebracht.

1868 bis 1869
Der Ahnensaal, dessen reiche Stuckaturen bereits im 18. Jahrhundert wieder beseitigt worden waren, wird von Fürst Heinrich XIV. (1832 bis 1913) neu gestaltet. Von der ursprünglichen Ausstattung bleiben nur die Gemälde erhalten.

10.11.1900
Auf  Schloß Osterstein, das an das an diesem Tag eröffnete Untermhäuser Elektrizitätswerk angeschlossen ist, wird die elektrische Beleuchtung in Betrieb genommen.

1911 bis 1913
Die Wirtschaftsgebäude an der Westseite des oberen Hofes werden abgetragen. An ihrer Stelle errichten die Architekten Lossow & Kühne in Dresden den Westflügel mit Gobelinhalle, Kaminhalle, Musikzimmer und Bibliothek. Der Ausbau des Schloßes findet damit seinen Abschluss.

10.11.1918
Fürst Heinrich XXVII. Reuß jüngere Linie (1858 bis 1928) unterzeichnet die Abdankungsurkunde.

22.12.1919
Der zwischen dem Volksstaat Reuß und dem fürstlichen Haus Reuß jüngere Linie abgeschlossene Vergleich bestätigt den Reußen das Eigentum an Schloß Osterstein und seinen Sammlungen. Der Osterstein bleibt Wohnsitz der fürstlichen Familie.

1922
Das Kammerverwaltungsgebäude an der Westseite des unteren Hauses wird errichtet.

1923
Der Gasthof „Zum Mohren“ am Fuße des Schloßberges weicht dem Neubau eines Beamtenhauses.

1937
Im Rahmen der vom dritten bis fünften Mai stattfindenden Kulturtage eröffnet Heinrich XLV. Erbprinz Reuß (1895 bis ca. 1945) das Theatermuseum auf Schloß Osterstein.

06.04.1945
Schloß Osterstein brennt nach einem Luftangriff völlig aus. Das 1942 vorsorglich in Forsthäuser des Oberlandes ausgelagerte, sowie das aus dem brennenden Schloß gerettete Kunstgut, wurde 1946 dem städtischen Museum übergeben und gehört heute zum Museumsbestand.

09.12.1962
Nachdem bereits Ende der 1940er und den 1950er Jahren Teile der Schloßruine abgebrochen worden waren, sprengten Spezialisten vom Wismutbergwerk Schmirchau die restlichen Gebäude an der Westseite des oberen Schloßhofes. Auf den Grundmauern des Nordflügels entsteht in den folgenden Monaten das Terrassencafé Osterstein.

1993
Der bereits 1896 als „verlassen“ bezeichnete Gartensaal mit Stuckatur von 1721 im ehemaligen Wagenremisengebäude wird wieder entdeckt. Er diente in den letzten Jahren als Kohlelager.

12.09.1993
Für den „Tag des offenen Denkmals“ wird der instandgesetzte Bergfried mit einer Fotodokumentation des Stadtmuseums über Schloß Osterstein sowie der Gartensaal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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Tintenglas mit Feder
 
 
18.01.2015
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